Hotel Bad Dreikirchen – Barbian

Bergauf mit Freud und Morgenstern – Hotel Gasthof Bad Dreikirchen

Infinity-Pool, freistehende Badewanne, Rooftop-Bar: wer auf der Suche nach dieser Art von Luxus ist, blättert bitte sofort weiter. Dieser Tipp richtet sich an die Puristen unter den Lesern. Das Berghotel „Gasthof Bad Dreikirchen",  auf 1.120 m oberhalb von Barbian, ist ein Kleinod unter Südtirols Sommerfrische-Residenzen und besinnt sich auf eine Art des Reisens, die lange Zeit vergessen zu sein schien. Bergpanorama statt LCD-Bildschirm, Bibliothek und Musikzimmer statt mobiler Endgeräte. Das lästige Knäuel von Ladekabeln wird in diesem Urlaub durch Wanderschuhe ersetzt.

Matthias Wodenegg ist Inhaber des Gasthofs Bad Dreikirchen und hat sein Haus anlässlich der → Tage der Architektur in Südtirol im Sommer 2017 für eine Besichtigung geöffnet. Auf einem Rundgang um und im Haus beschreibt er seine Vision von Tourismus und macht neugierig. Folgt man ihm über knarrende Dielen, gelangt man in Zimmer mit Balkonen, die atemberaubende Blicke auf Eisacktal, Schlern und Dolomiten freigeben. Er sagt:

Wir versuchen bewusst, altmodisch zu bleiben und auf Trends nicht aufzuspringen.

Wir müssen nichts Neues suchen, denn wir leben von der Tradition.

 

 

 

Sätze, die aufhorchen lassen.

Wirt Bad Dreikirchen
Matthias Wodenegg, Inhaber des Gasthofs Bad Dreikirchen

Der Berg der Johanna Settari

Matthias Wodenegg gehört wie Johanna Fink von Knebelsberg aus dem benachbarten Briol zu den Nachfahren der legendären Johanna Settari aus Bozen. Diese resolute Kaufmannsfrau hatte ihren Kindern nicht nur das eine oder andere Grundstück hinterlassen, sondern hat dem Berg von Bad Dreikirchen mit diversen Gebäuden ihre Handschrift verliehen. Der Gasthof Bad Dreikirchen ist einer der schönsten Schnörkel ihrer Signatur.

Erbaut in der Zeit um 1900, geht der Gasthof Bad Dreikirchen auf Grundmauern aus dem 13. Jahrhundert zurück. Damals entstand hier, vermutlich aufgrund heilender mineralischer Quellen, die man hier fand, ein Wallfahrtsort. Die Entstehung des Ortsnamens erklären Gebäude hinter dem heutigen Berggasthof: drei in den Hang gebauten Kirchen. Sie gaben dem Berg seinen Namen. Die ungewöhnliche Konstellation, in der St. Nikolaus, St. Getraud und St. Magdalena gebaut wurden, ist bis heute einzigartig geblieben.

Wanderweg Bad Dreikirchen – Barbian

Von der Pilgerstätte zum Kurhotel

Im Jahr 1811 übernahm die Familie Wodenegg den Gasthof neben den Kapellen. Sie erweiterten ihn und bauten die als Pilgerstätte entstandende Herberge nach und nach zu einem sommerlichen Kurbetrieb um. Hans Christian Morgenstern und Sigmund Freud kamen und genossen die Stille der Berge und die belebende Kraft des Wanderns. Ob sie auch zum Baden kamen, ist nicht belegt. Sicher ist nur, dass Sigmund Freud (der auch gerne in Bad Gastein zum Kuren weilte) später diese Worte schrieb:

“Es war eine entzückende Einsamkeit, Berg, Wald, Blumen, Wasser, Schlösser, Klöster und keine Menschen… das Abendessen hat dann sehr geschmeckt.“

Familie Wodenegg führt das Haus bereits in der vierten Generation. 1992, mit der Übernahme durch Matthias Wodenegg, stellt sich die Frage nach der Zukunft des Hauses erneut, die Frage nach Bestandsschutz oder Modernisierung. Wodenegg wählt den unbequemen Weg, lässt das Haus unter Denkmalschutz stellen und die Gäste wie seit eh und je aus dem drei Kilometer entfernten Barbian zu Fuß den Berg hinaufsteigen. Ab 2002 hilft das Architektenteam Lazzarini & Pickering aus Rom, dem Haus einen neuen Zeitgeist einzuhauchen.

Die ehemals vierzig Badewannen, die im heutigen Speisesaal des Hotels Platz fanden, verschwinden. Sie geben neuen (alten) Gasträumen und einer kleinen, gern genutzten, Bibliothek Raum. Die 36 Gästezimmer bleiben bestehen – samt ihren aussichtsreichen Balkonen und Mobiliar aus einer vergangenen Zeit. Neu sind die zeitgemäßen und funktionalen Bäder. Unterhalb des Hauses in der Wiese leuchtet blau ein Swimmingpool.

Wodenegg gibt offen zu, dass es Tage gibt, an denen er die „Scheiss alte Hüttn“ schon auch mal  verflucht. Wer würde es ihm, dem die Kirche mangels finanzieller Mittel nun auch noch die Sanierung der drei alten Kapellen aufgebürdet hat, verübeln.

Und dennoch: das Konzept geht auf. Versucht man, ein Zimmer in Bad Dreikirchen zu buchen, muss man rechtzeitig daran denken, sonst hat man Pech. Die Gäste, die längst nicht immer im wanderfähigen Alter sind, bleiben gern und lang und kommen häufig wieder. Einige von ihnen sind hochbetagt, teils über neunzig Jahre alt.

Die Treue der Kunden, die frische Bergluft und der Blick bis weit in die Dolomiten sprechen für das Hotel. Vielleicht auch für die heilenden Kräfte von Bad Dreikirchen. Aber das ist reine Spekulation.

Hotel Gasthof Bad Dreikirchen

Inh. Matthias Wodenegg
Dreikirchen 12
I 39040 Barbian (Bz)

baddreikirchen.it

Teile diesen Beitrag
Charis
Follow me
  1. Avatar
    Alica D

    Southtyrol ist so amazing.

  2. Avatar
    Julian

    Wir waren im Herbst da. Herrlich zum wandern.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.