Rückansicht am Abend

Wanderhotel Bühelwirt – Südtiroler Architekturjuwel inmitten von Dreitausendern

Der Bühelwirt, ein Wanderhotel in St. Jakob liegt auf etwa 1.200 m Höhe und knapp 11 km von Kasern, dem endgültigen Talschluss entfernt. Dort, wo das 1910 eröffnete Wirtshaus und heutige Hotel Bühelwirt seine Gäste empfängt, steht auch eine gotische Pfarrkirche, die dem Heiligen Jakobus geweiht ist.  Ein Brunnen, ebenso dem Heiligen gewidmet, erinnert daran, dass der Ort auf einer Nord-Süd-Traverse über die Alpen liegt. Aus dem Pinzgau kommend, gelangt man über die Krimmler Tauern ins Ahrntal und somit in St. Jakob.

Hinter dem Haus rauscht ein Bach, Vögel zwitschern und Panoramascheiben, deren breiten Fensternischen zum Hineinfläzen einladen, geben den Blick auf die Berge frei. Von denen gibt es hier einige: Das Ahrntal kann sich rühmen, von sagenhaften achtzig (!) Dreitausendern umgeben zu sein. In St. Jakob besonders gut zu sehen ist die „Dreiherrenspitze“, 3.499 m hoch und auf  italienisch „Picco dei Tre Signori“genannt.

Wanderhotel Bühelwirt

Lage – Südtiroler Ahrntal, nördliches Seitental des Pustertal bei Bruneck
Empfehlung für – Paare, Einzelreisende, Freunde mit Interesse an Natur, Ruhe, Architektur und guter Küche
Aktivitäten – Wandern, Biken, Wintersport im Ahrntal und auf dem Kronplatz bei Bruneck

Die besten Tipps für Bruneck und den Kronplatz

Ausstattung – moderne minimalistische Zimmer mit viel Holz und riesigen Panoramafenstern, kleiner Wellnessbereich mit Sauna – Alternativ: günstigere Zimmer im Stammhaus
Empfohlen von: White Line Hotels, Urlaubsarchitektur

Das Ahrntal hinter St. Jakob
Das Ahrntal hinter St. Jakob

Geschichte des Bühelwirts

Die Geschichte des Bühelwirts ist kurz erzählt: um 1910 hatten die Schwestern Maria und Notburga Steger vom Roanerhof vor dem Innsbrucker Landesgericht den Bau eines Gasthofes auf dem Bühel erwirkt. Der Bühel bezeichnet im Süddeutschen einen Hügel und hier im speziellen Falle einen riesigen Steinhaufen, denn der Bühel von St. Jakob ist durch einen Felssturz entstanden.

Die Frauen bauen ihre Gastwirtschaft neben der Kirche erfolgreich aus. Maria heiratet kurze Zeit später den Dorflehrer, um zahlreiche Kinder mit ihm zu bekommen. Einer dieser Söhne, von Beruf ebenso Dorflehrer, ist der Großvater der heutigen Eigentümerin. Von den 50er Jahren an führt er die Geschicke des Hauses bis Michaela, inzwischen selbst Mutter von zwei Kindern, den Großeltern unter die Arme greift und schließlich zur Wirtin des Bühelwirtes avanciert.

Heimatliebe

Der Herbst ist für mich die schönste Jahreszeit, wenn die Lärchen herum langsam orange werden. (Michaela)

Als Michaela und Matthias Haller das Hotel 2008 von den Großeltern Michaelas übernehmen, hat das Haus schon fast einhundert Jahre auf dem Buckel. Halbherzige Renovierungsarbeiten helfen in den Anfangszeiten den Standard zu halten. Ein neues Gesicht erhält der Bühelwirt so nicht. Also entscheidet das Paar sensibel, jedoch deutlich wahrnehmbar einen Neuanfang zu wagen. Ihrer Liebe zur naturgegebenen Schönheit des Ahrntals ist es zu verdanken, dass aus dem Bühelwirt kein gesichtsloser renovierter Kasten, sondern ein modernes und behutsam in die Landschaft integriertes Designhotel wird.

Als „partner in crime“ wählt man das Büro des Südtiroler Architekten Armin Pedevilla.  Mit seiner Hilfe soll der Bühelwirt für Gäste attraktiver gemacht werden, neues Publikum angezogen, das alte möglichst nicht verprellt. Einige Stammgäste kommen schließlich schon seit zwanzig, dreißig Jahren nach St. Jakob.

Die Entscheidung für Pedevilla fällt, nachdem die Gastwirte das Wohn- und Ferienhaus der Pedevillas „La Pedevilla“ in Enneberg südlich von Bruneck angesehen haben. Fast sämtliche hier verbauten Elemente finden sich in einer sehr ähnlichen Form im „Bühelwirt“ wieder. Die Integration des Stammhauses und die von allen Seiten sehr gut sichtbare Lage des Hauses inmitten des Dorfkerns, stellt Architekten und Bauherren dennoch vor eine  völlig neue und auf vielen Ebenen spannende Aufgabe.

Altes bewahren, Neues schaffen

Nach erfolgreicher Übernahme eines benachbarten Flurstücks ist der Weg für eine Vergrößerung des Hauses frei. Vorgabe für den Umbau ist, Teile der alten Struktur zu erhalten und den Hotelbetrieb gleichzeitig durch die Schaffung neuer Räumlichkeiten zu erweitern. Heute besteht der Bühelwirt aus dem historischen Stammhaus mit 24 Gästezimmern und einem modernen Anbau mit weiteren zwanzig Zimmern und Suiten. Beide Gebäude sind durch eine sogenannte Brücke miteinander verbunden, optisch wahrnehmbar, aber doch so geschickt, dass der Wechsel zwischen den Häusern für den Besucher fließend ist.

Das Haupthaus bleibt weitestgehend unverändert. Optisch werden die Zimmer dem Stil des Neubaus angeglichen. Der Vorteil der sanften Renovation liegt für den Gast des Stammhauses in günstigeren Zimmerpreisen.

Die Bar des einstigen Dorfgasthauses bleibt erhalten und stellt den sanften Übergang zum Neubau dar. Hier treffen sich nach wie vor Gäste und Dorfbewohner, denn schließlich bleibt der Bühelwirt durch seine zentrale Lage auch weiter ein Mittelpunkt des Dorfes.

Bar
Die alte Bar – gestern und heute Treffpunkt für das ganze Haus.

Im neuen lichtdurchfluteten Speisesaal mit Panoramafenstern nehmen die Gäste ihre Mahlzeiten ein. Eine geschnitzte Maske an der Wand erinnert an die Tradition des Schnitzerdorfes. Auch die geradlinigen Holzstühle und Tische sind typisch für den Stil des modernen Südtirol.

Holz und Loden schaffen Gemütlichkeit

Wer den Bühelwirt besucht, sollte auf jeden Fall ein Stück um das Haus spazieren. Mit speziellen, aus Resten eines Kupferbergwerks hergestellten Farben und Lehmputz wurde das Lärchenholz des Hauses mit einem tiefdunklem Anstrich versehen. Er schimmert, je nach Lichteinfall grünlich. Wer von Kasern kommt, sollte gen St. Jakob schauen: Der Bühelwirt passt sich unscheinbar wie ein großer Fels in sein Umfeld ein.

Mit einem Lift geht es in die neu entstandenen Zimmer und Suiten. Auch hier ist Holz das prägende Baumaterial. Auf den breiten Fensterbänken, auf denen man man so wunderbar in den Abendhimmel schauen kann, liegen weiche Kissen aus Loden von Moesmmer. Dieser Brunecker Lodenhersteller war der erste, der seinen Loden an den Kaiserhof nach Wien lieferte. Heute werden die Stoffe für Innendekorationen oder in den Modekollektionen bekannter Couturiers verwendet.

Die Möbel in den Zimmern des Bühelwirts sind minimalistisch und funktionell. Ein Tisch, ein Bett, ein Regal. Alles was man braucht, in einem hochwertigen und zeitlosen  Design. – Durch eine Tür kann man auf einen kleinen Balkon treten und die frische Bergluft einatmen.

Wer den Bühelwirt besucht, kommt zum Wandern oder für den Wintersport. Ein kleiner Wellnessbereich lädt ein, die müden Glieder am Abend in einer Sauna zu wärmen.

Für mich ein Ort der Ruhe und Erholung.  – Unbedingt: Zeit nehmen.


Wanderhotel Bühelwirt

Am Bühel 30
I-39030 St. Jakob / Ahrntal – Südtirol – Italien

www.buehelwirt.com


Offenlegung:  Die → Region Südtirol hat mir ermöglicht ausgewählte Beispiele besonderer Architektur zu besuchen. Ich stelle vor, was mir gefallen hat. Besonders bedanken möchte ich mich bei Uta Radakovich, die durch ihre enorme Ortskenntnis und viele Geschichten meine Recherche zu einem unvergesslichen Erlebnis gemacht hat. Vielen Dank!

 

Teile diesen Beitrag
Charis
Follow me
  1. Avatar

    Das sieht auf jeden Fall sehr gemütlich aus und die Region Südtirol ist sowieso ein traumhaftes Urlaubsziel. Ich muss unbedingt mal wieder in die Gegend reisen.
    Liebe Grüße
    Anja

    • Charis

      Das stimmt. Kann ich immer nur empfehlen. Du findest hier auch noch viele Tipps für andere Regionen in Südtirol oder Du fragst mich einfach :)

  2. Avatar

    Das Hotel sieht super gemütlich aus :-) Ich mag gerne Unterkünfte, von denen man aus direkt in die Natur kommt und wandern kann – daher würde mir das sehr zusagen. Irgendwie hab ich Südtirol gar nicht so auf meiner Liste.

    • Charis

      Das stimmt. man kann direkt vom Haus losgehen und das sollte man auch, um endlich mal wieder in den Genuss einer Entschleunigung zu kommen.
      Südtirol lohnt sich in vielerlei Hinsicht. ich liebe es vor allem wegen der Menschen und der unglaublich guten Küche.

  3. Avatar

    Liebe Charis,
    das ist doch mal ein anderer Artikel über ein Hotel. Interesant mit der Geschichte! Spannend auch wie es aussieht – so modern von außen, aber urig von innen. Sehr hübsch.
    Liebe Grüße
    Lisa

  4. Avatar

    Das sieht wirklich urgemütlich aus. Ich mag die Kombination aus alt und neu/funktionell. Wenn ich mal nach Südtirol komme, schaue ich mir das mal aus der Nähe an. Dabei werde ich bestimmt die schöne alte Bar besuchen…

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.