Käseregale im Käsekeller in Lingenau

Käsekeller Bregenzerwald – Tradition und moderne Technologie in Lingenau

Kellerhöhe 7 m. Kellerlänge 70 m. Kapazität: 36.200 Käselaibe auf Fichtenholzbrettern. – Wieviel Genuss sich hinter diesen Zahlen verbirgt, kann man in Lingenau im Bregenzerwald entdecken. Bereits die Eckdaten klingen beeindruckend. Wenn man selbst vor den meterhohen Regalen steht und auf die Käselaibe schaut, dann gesellt sich zum Staunen jedoch noch der Appetit.

Über eintausend bäuerliche Familien gibt es derzeit im Bregenzerwald. Sie verfüttern nach wie vor nur Heu und frisches Gras an ihr Vieh und können so einen Käse aus silofreier Rohmilch anbieten. Sie produzieren mit ihrer Dreistufenlandwirtschaft nicht nur außergewöhnlich hochwertige Milchprodukte, sondern tragen mit ihrer Arbeit zur Erhaltung der einzigartigen Kulturlandschaft des Bregenzerwaldes bei. Käse aus dem Bregenzerwald ist nicht nur in Österreich, sondern auch in vielen anderen Ländern (u.a. bei uns in Deutschland) in aller Munde.

Wer im Bregenzerwald unterwegs ist, wird in der Regel an vielen Orten auf besondere Käsesorten und -produzenten treffen. Besonders eindrucksvoll zeigt sich das Ausmaß jedoch, wenn man den eigens gebauten Käsekeller an der B205 besucht.

Kuh im Bregenzerwald
Kuh im Bregenzerwald

Käsekeller Lingenau – Schnittstelle zwischen Tradition und Technologie

Auf über 90 Melkalpen wird im Bregenzerwald handgeschöpfter Käse produziert. Da die Lagerung der Käse die größere Herausforderung an den Bauern stellt, haben sich im Jahre 2002 einige Höfe zusammengetan und eine Reife- und Lagerungsmöglichkeit geschaffen: den modernen Käsekeller in Lingenau.

Lang gestreckt aus grauem Sichtbeton liegt er am Ortseingang des Vorarlberger Ortes. Von sanften Hügeln, saftigen Wiesen und Bergbauernhöfen umgeben, warten darin bis zu 36.200 Alp- und Bergkäse auf ihre endgültige Reife.

Der Bau von Architekt DI Oskar Leo Kaufmann gibt sich bescheiden, fügt sich eher unaufdringlich und nach hinten flacher werdend, in das Landschaftsbild ein. Neben einem Verkaufsraum mit der Möglichkeit der Verköstigung und für Vorträge, gibt es vor allem das hinter riesigen Glasscheiben gut einsehbare Käselager mit meterhohen Regalen. Der Keller erleichtert es den Landwirten die Käselaibe unter idealen Bedingungen reifen und beständig prüfen zu lassen.

Während die äußere Hülle kühl und funktional wirkt, wird einem beim Anblick der unendlich vielen gelben Käselaibe sehr schnell warm um Herz. Von den langen Metallregalen, in denen sie auf Holzbrettern liegen, werden die Käselaibe in regelmäßigen Abständen mittels Technik heruntergehoben und mit einer Salzlauge gewaschen. Mit einer Pipette werden Reifeproben entnommen. Um den Käselaib dabei nicht zu zerstören, werden diese Stellen wieder sorgfältig ausgefüllt, bis der Käse endgültig reif ist.

Ein Verkaufstresen, Kühlregale und lange Tische laden im Eingangsbereich des Kellers zum Degustieren ein. Wirklich widerstehen kann dem Angebot an Bergkäse, Ziegenfrischkäse, Molke und allem, was die Senner auf den Vorarlberger Alpen produzieren, wohl nur, wer absolut keinen Käse mag. Vieles eignet sich für den Transport nachhause, aber ein Brot auf die Hand kann auch für eine Wanderung ein wunderbarer Begleiter sein.

Produkte, die man im Käsekeller kaufen kann

  • Bergkäse in verschiedenen Reifestufen von Sennereien entlang der Käsestraße
  • Alpkäse Jung & Reif
  • Schnittkäse-Sortiment der Käsestrasse Bregenzerwald
  • Wurstwaren aus der Region
  • Molkepflegeprodukte von Ingo Metzler
Pausenbrot mit Bergkäse
Pausenbrot mit Bergkäse

Was bedeutet Dreistufenlandwirtschaft

Allein mit der Bewirtschaftung der hofeigenen Almen wäre es den Bauern nicht möglich die Tiere ganzjährig mit frischem Gras und Heu zu versorgen. Aber nur damit kann die frische Heumilch erzeugt werden, die für den Käse aus dem Bregenzerwald unerläßlich ist.

Die Dreistufenlandschaft ist ins Verzeichnis des Immateriellen Kulturerbes in Österreich aufgenommen worden.

Um das Problem zu lösen, besannen sich die Bauern auf ihre Almen und treiben nun alljährlich das Vieh vom Haupthof, der meist direkt im Dorf angesiedelt ist, zunächst auf ein Vorsäß. Dieses befindet sich auf mittlerer Höhe in den Bergen und kann durch die etwas milderen klimatischen Verhältnisse auch im Frühjahr und Herbst bewirtschaftet werden. Im Sommer, ab Anfang Juli, zieht das Vieh für einige Wochen auf die in den anderen Jahreszeiten zu unwirtlichen Hochalpen, wo es auf frischen Bergwiesen Futter findet. Die Wiesen im Tal werden in dieser Zeit gemäht, das Heu für die Wintermonate eingelagert.

Weil dieser Prozess also auf drei unterschiedlichen Standorten beruht, spricht man bei dieser Form der landwirtschaftlichen Nutzung von einer Dreistufenlandwirtschaft.

Käsestrasse Bregenzerwald GmbH

Zeihenbühl 423 | 6951 Lingenau
+43 (0)5513 42870-41
www.kaesestrasse.at

Dank an den  Vorarlberg Tourismus, der mir den Besuch des Käsekellers organisierte. Meine Eindrücke entsprechen meinen Erfahrungen. Gerne gebe ich weiterführende Auskünfte.

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  1. Lena Moosfeld

    Super, dass es noch so viele bäuerliche Familien im Bregenzerwald gibt. Mit unseren Kindern würde ich gerne mal einen Urlaub dort verbringen. Meine Tochter ist erst drei aber sie liebt Käse. Ich müsste ihr nur klarmachen, dass die Löcher doch nicht von den Mäusen sind.

  2. KomR. Prof. Hans HAMMERER

    DANKE für diesen tollen Bericht über die „KäseStrasse Bregenzerwald“.
    Es ist eine Besonderheit, in einer der noch silofreien Zonen ein derartiges Käse-Produkt genießen zu dürfen. Der Blick in eine Alpsennerei, wie auch in die Mitgliedsbetriebe der „KäseStrasse Bregenzerwald“ zeigen diese Einzigartigkeit dieses Naturproduktes.
    Als Moderator führe ich gerne die Gästegruppen (Studenten & Jugendgruppen; Reisegruppen; Senioren; Organisationen; Firmenausflüge; Vereine..) im KäseKeller Lingenau durch die KäseKultur von einst & jetzt mit Verköstigung. Lassen sie sich dieses Erlebnis nicht entgehen. Wir freuen uns auf EUCH!

  3. dieStreunerin.com

    Danke für den tollen Bericht. Schön, dass der Käse sehr naturnah hergestellt wird, die Kühe ihren Auslauf haben und die Bauern davon leben können. :)
    Beeindruckend wie hoch die Käselaib-Halle ist. Der Duft nach Käse ist mit Sicherheit verlockend. Ich mag besonders den würzigen Käse.
    Viele Grüße
    Conny

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