Spruch - Messner Mountain Museum Firmian

MMM Firmian – Am Lagerfeuer mit Reinhold Messner

Bozen/Sigmundskron. Es nieselt. Dieser Sommertag in 2014 ist ungewöhnlich nass für Südtiroler Verhältnisse. Das Wetter schlägt Kapriolen, was Einheimische und Urlauber verwirrt. Auch ein Urgestein wie Reinhold Messner, der bestätigt einen solchen Sommer in Südtirol noch nie erlebt zu haben. Wer jetzt eine düstere Ansprache zur Klimakatastrophe und zum Ende aller Tage erwartet, ist jedoch auf der falschen Fährte.

Wir stehen mit zahlreichen Besuchern auf einer abschüssigen Wiese inmitten der Museumsmauern von Firmian / Schloß Sigmundskron bei Bozen. Das ist eins der aktuell fünf Messner Mountain Museen (MMM). Heute ist ein Gespräch am Lagerfeuer angekündigt. Jeder kann kommen. Die Besucher sind zahlreich. Unten auf einem kleinen Holzpodest sitzt der Bergsteiger Reinhold Messner, der noch in diesem Jahr seinen siebzigsten Geburtstag feiern wird. Neben ihm in einer riesigen Feuerschale liegen große brennende Holzscheite, die trotz des ungemütlichen Wetters eine gemütliche Atmosphäre verbreiten und immer wieder nachgelegt werden.

Man merkt Reinhold Messner sein Alter kaum an. Unermüdlich berichtet er erst über aktuelle Projekte, über sein nächstes Museum, mit dessen Eröffnung er noch in diesem Jahr rechnet und beantwortet dann seelenruhig Fragen. Niedliche Fragen von Kindern, interessierte von Erwachsenen, aber auch gnadenlos dumme von sensationsgierigen Schlaubergern die leider deutlich erkennbar aus Deutschland nach Südtirol gereist sind. Statt sich für Land und Leute zu interessieren, scheint ihnen lediglich Messners Bekanntschaft mit der Kanzlerin eine Frage wert. Die Reaktion ist ablehnend eindeutig: Applaus für Messner und Buh-Rufe für die respektlosen Fragesteller.

Aber noch einmal zurück zum Museum:

Das Museum Firmian auf Schloß Sigmundskron hat Reinhold Messner dem Thema Mensch und Berge gewidmet. Unser Vorteil heute: Wir werden von Andreas Gottlieb Hempel, dem Autor des Buches Die Messner Mountain Museen, begleitet. Er kennt Südtirol seit vielen Jahrzehnten und  kann durch seine Expertise als Architekt, Genussbotschafter der Region und ausgebildeter Sommelier sehr gut ermessen, wieviel Reinhold Messner für die Region getan hat. Mit zahlreichen Extrainformationen bereichert er unseren Rundgang und berichtet mit Bewunderung, wie Messner es hinbekam, Museen zu errichten, die sich allein tragen und keine staatlichen Mittel zum Erhalt benötigen.

Beim Rundgang durch das Museum begegnet man unzähligen Exponaten, die Messner von seinen eigenen Reisen in die Heimat mitgebracht hat. Sie hängen an den Wänden, stehen in Nischen oder mitten im Raum. Messner hat in Kooperation mit seinem Architekten alle Einbauten so anfertigen lassen, dass sie rückstandslos entfernt werden können. So bleibt es, auch es wenn gerade für eine Ewigkeit eingerichtet zu sein scheint, doch nur geliehen von denen, die später kommen und das Schloß einer anderen Nutzung zuführen wollen.

Während es endlos regnet und wir unter Schirmen stehen, sitzt Messener in Outdoorjacke unten am Feuer und seine signifikante Haarpracht scheint durch das Wetter nicht einen Moment zu leiden. Zu Sigmundskron erklärt er, es sein kein Kunstmuseum, auch wenn es Kunst enthalte. Es sei auch kein Naturkundemuseum. Lediglich ein Begegnungsraum zum Thema Berg. Nicht mehr und nicht weniger. Es geht schlicht darum aufmerksam zu machen für das, was passiert, wenn Mensch und Berg aufeinandertreffen. Denn auch den Begriff des Bergsteigers bricht Messner auf einen Bruchteil herunter. Statt große sportliche Leistungen hervorzuheben, würdigt er jeden kleinen Schritt. Jeder Mensch, der sich zu Fuß aufmacht, ist im Grunde schon ein bergsteigender Mensch. Ein Gedanke, den ich schön finde, weil er vereint und weil es dadurch nahezu jedem möglich ist, ein Teil dieser Bewegung zu sein.

Inzwischen ist es dunkel geworden. Nach rund eineinhalb Stunden ist die Fragestunde beendet. Fotos mit und von Reinhold Messner werden gemacht, Autogramme gegeben. Das gehört einfach dazu und bewundernswert gleichmütig lässt er das Theater über sich ergehen.

Der Rückweg zum Parkplatz ist ein wenig abenteuerlich: der Weg ist nicht beleuchtet. Für Messner wäre das ganz normal: Ein kleines Abenteuer gehört zu jedem Tag dazu.

MMM Firmian
Messner Mountain Museum Firmian

Schloss Sigmundskron, Sigmundskronerstr. 53
I – 39100 Bozen
Tel. +39 0471 631264

Nachtrag
Unter dem Namen MMM Corones wurde inzwischen auf dem Gipfelplateau des Kronplatzes – zwischen Dolomiten und Zentralalpen – das sechste und vorerst letzte Museum von R. Messner eröffnet. Es widmet sich der Königsdisziplin des Bergsteigens. Thema: „Die großen Wände“

Mehr Informationen findet man auf der Webseite von MMM Corones: mmmcorones.com oder unter MMM Corones – Reinhold Messners Ort der Stille auf dem Kronplatz

„Die Messner Mountain Museen“ von A.G. Hempel ist bei Callwey erschienen.

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Charis
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    Christian Berger

    Ein toller Beitrag,der mir grosse Freude bereitete.
    Wer Reinold kennt und verehrt, der weiss zu welchen Leistungen er fähig ist.
    Grossen Dank!
    Christian Berger.

  2. Avatar

    Ich mag ihn, gerade auch als Polarisierer, und bewundere seinen Mut – nicht nur den Bergsteigerischen, sondern auch den Sozialen, seine Willensstärke, das zu tun, was er für richtig und wichtig hält. Reisen bildet, den Geist, den Körper und die Seele, genau das drückt er für mich aus!
    Danke für den Bericht!

  3. Avatar

    Sehr schöner Bericht über einen nassfeuchten Abend, der dennoch eindrucksvoll durch Reinholds Persönlichkeit wurde. Noch schönere Fotos – gerne hätte ich so etwas in meinem Buch gehabt. Danke!
    Andreas Gottlieb Hempel

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