NS Dokumentationszentrum München

NS Dokumentationszentrum München: Fragen stellen, Geschichte verstehen

Reichkriegsflaggen, Parolen, Antisemitismus und Rassismus: In aktuellen Krisen wird die Gesellschaft auf eine harte Probe gestellt. Rechte Tendenzen erleben eine Renaissance. Das ist gefährlich und geschichtsvergessen. Dabei sind die Möglichkeiten, sich zu informieren, durchaus vorhanden. Ein guter Ort für Aufklärung ist das NS-Dokumentationszentrum München. 2015 eröffnet, thematisiert das Haus auf geschichtsträchtigem Boden den Aufstieg der Nationalsozialisten in einer Dauerausstellung. Ein Ausflug in die deutsche Geschichte.

Wie ein heruntergefallener Karton, der das Bild stört, steht der Kubus des NS Dokumentationszentrum München an der ehemaligen Brienner Straße in München. Das Haus aus weißem Sichtbeton ist umgeben von beigebraunen Gebäuden, die durch Farbe und Form einen faden Beigeschmack ihres Ursprungs hinterlassen. – Hier im Kunstareal in der Münchener Maxvorstadt spielt eins der dunkelsten Kapitel der bayrischen  Landeshauptstadt. Wo heute die Dokumentationsstätte „nsdoku“ als Lern- und Erinnerungsort an die Geschichte des Nationalsozialismus heranführt, stand ursprünglich das „Braune Haus“, die Parteizentrale der NSDAP.

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NS Dokumentationszentrum München, Ansicht im Dezember 2016, Fotograf  © Jens Weber

Hell und weltoffen: Moderne Architektur für einen dunklen Teil Münchner Geschichte

„Woher kommen der Nationalsozialismus und seine Ideologie? Wie kam Hitler an die Macht und warum scheiterte die Demokratie? Was führte zu Ausgrenzung, Krieg und Vernichtung? Kann man aus der Katastrophe des Nationalsozialismus lernen? Diese Fragen beschäftigen Historiker seit Jahrzehnten. Sie gehen uns alle noch heute etwas an.“

Die puristische Bauweise, asymmetrisch angeordnete, große Fensterfronten und die Helligkeit des Vorplatzes grenzen das Gebäude des NS Dokumentationszentrums klar von seinem Umfeld ab. Gleichzeitig erleichtert die moderne Architektur den Zutritt. In dem Haus könnte sich genauso gut eine Kunstgalerie befinden.

Im Inneren erwartet die Besucher und Besucherinnen eine sorgfältig aufbereiteten Dokumentation zur Geschichte des Nationalsozialismus in Deutschland. Der Eintritt zur Ausstellung ist kostenfrei.

Dauerausstellung im NS Dokumentationszentrum München

Fahrstühle und Treppen führen in das vierte Stockwerk, in dem der Rundgang durch die Dauerausstellung beginnt. Auf mehreren Etagen wird die Entwicklung des Nationalsozialismus vor allem in München dokumentiert. Große Schautafeln mit Bildern und Texten erklären den geschichtlichen Verlauf. Sie sind in deutscher und englischer Sprache geschrieben. Zwischen den 33 Bildtafeln stehen Schaukästen mit Zeitdokumenten, Briefen und Fotografien.

Die Ausstellung beginnt mit der Zeit des ersten Weltkriegs. Über die politischen Wirren, die einen fruchtbaren Boden für die Naziideologie schufen, wandert sie weiter durch die deutsche und insbesondere Münchner Geschichte des Dritten Reichs. Sie dokumentiert den Aufstieg der SA, die mit Brutalität und Hass gegen Andersdenkende vorging, um dann selbst von der noch brutaleren SS in die Schranken gewiesen zu werden.

Die NS Zeit in München

Das Verhalten der Münchner Bevölkerung versucht die Ausstellung des NS Dokumentationszentrums so ehrlich wie möglich zu beschreiben. Diskriminierung und Ausgrenzung werden anhand von Beispielen gezeigt, Verbrechen als solche benannt. Täter und Opfer bekommen ein Gesicht. Die Verharmlosung der Mitläufer wird entzaubert, genauso, wie die vielfach unrühmliche Aufarbeitung des Nationalsozialismus in der Nachkriegszeit.

BesucherInnen der Ausstellung können sich eine eigene Meinung bilden, Mechanismen erkennen und aktuelle Entwicklungen hinterfragen. Digitale Angebote begleiten die Inhalte des NS Dokumentationszentrum. Wechselausstellungen und Veranstaltungen ergänzen das Programm des Museums.

Jüdische Kinder
Mädchen im Lager Milbertshofen vor ihrer Deportation 1941

Die (noch viel zu selten) ins Licht gerückte Rolle des Einzelkämpfers Georg Elser, empfand ich persönlich besonders beeindruckend. Genauso wie das Bild der beiden unschuldigen jüdischen Mädchen, denen man großformatig ins Gesicht schaut. Ich konnte den Anblick nicht ertragen und habe weinend das Gebäude verlassen.

NS Dokumentationszentrum München – nsdoku

Max-Mannheimer-Platz 1 (ehemals Brienner Straße 34)
80333 München
www.nsdoku.de

Anfahrt

Link zu Google Maps

Die U-Bahnstation Königsplatz bietet sich an (U2 und U8). Vom Odeonsplatz läuft man etwa eine Viertelstunde zu Fuß zum Max-Mannheimer-Platz 1.

Öffnungszeiten und Preise

Die Ausstellung ist von Dienstag bis Sonntag geöffnet. Jeweils von 10.00 – 19.00 Uhr. Für Feiertage sicherheitshalber noch einmal auf der Webseite nachschauen.

Der Einritt ist kostenfrei.

Wieviel Zeit solltest Du für einen Besuch im NS Dokumentationszentrum München einplanen?

Es gibt viel zu lesen und zu sehen. Auch die Gefühle, die beim Lesen der oft dramatischen Ereignisse entstehen, verlangen etwas Raum. Wir haben für das Museum ca. drei Stunden gebraucht. Zwei Stunden solltest Du auf jeden Fall einplanen, wenn Du durch alle Etagen gehen möchtest.

Danach tut ein kleiner Spaziergang sicher gut.

Architekten des NS Dokumentationszentrums

Geplant wurde das Dokumentationszentrum durch das Berliner Architekturbüro Georg Scheel Wetzel Architekten. In diesem Artikel der Süddeutschen Zeitung ist der Aufbau des Gebäudes gut beschrieben.

Weitere Museen und Gedenkstätten zur NS Zeit in München

Auch an anderen Orten in München lassen sich Spuren des Nationalsozialismus entdecken. Einige Beispiele:

Feldherrnhalle am Odeonsplatz

Nationalsozialistische Putschisten, die am 9. November1923 aufbrachen, um die Demokratie zu stürzen, konnten in der Nähe der Halle aufgehalten werden. Heute erinnert eine Gedenktafel daran.

Studentischer Widerstand gegen das Nazi-Regime: Gedenkstätte Weiße Rose

Das ist sicher eine der bekanntesten Münchner Gedenkstätten für Opfer der NS Zeit. Die Gedenkstätte Weiße Rose befindet sich in der Ludwig-Maximilians-Universität und erinnert an die Mitglieder der studentischen Widerstandsgruppe Weiße Rose. Die Geschwister Hans und Sophie Scholl, sowie ihre Kommilitonen Willi Graf, Hans Leipelt, Christoph Probst und Alexander Schmorell und Professor Kurt Huber wurden wegen der Verteilung von Flugblättern von den Nationalsozialisten hingerichtet.

KZ-Gedenkstätte Dachau

Die KZ-Gedenkstätte Dachau ist eine Gedenkstätte und ein Museum, das an das ehemalige Konzentrationslager Dachau erinnert, das während der Zeit des Nationalsozialismus betrieben wurde. www.kz-gedenkstaette-dachau.de

Jüdisches Museum München

Das Jüdische Museum München befasst sich mit der Geschichte und Kultur der Juden in München und Bayern, einschließlich der Zeit des Nationalsozialismus. www.juedisches-museum-muenchen.de

Führerbau im ehemaligen NSDAP-Viertel

Der Führerbau war ein Gebäude in München, in dem Adolf Hitler oft tagte. Im Gegensatz zu umliegenden Museen und Kirchen blieb das Haus im Krieg leider unversehrt. Heute wird es als Gedenkstätte und Veranstaltungsort genutzt.

Gedenktafel am ehemaligen Standort des Münchner Gestapo-Hauptquartiers

Die Gedenktafel erinnert an den ehemaligen Standort des Gestapo-Hauptquartiers in München und an die Opfer des nationalsozialistischen Terrors.

Mahnmal für die Opfer des Olympia-Attentats 1972

Das Mahnmal befindet sich am Ort des ehemaligen Olympischen Dorfs und erinnert an die zwölf Opfer des Anschlags während der Olympischen Spiele in München im Jahr 1972. Elf israelische Sportler und ein deutscher Polizist kamen damals ums Leben. Mahnmal für die Opfer des Olympia-Attentats 1972

Aktualisiert. Der Artikel erschien erstmalig 2020.

 

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Charis

8 Kommentare zu “NS Dokumentationszentrum München: Fragen stellen, Geschichte verstehen

  1. […] des Gesehenen zu gönnen. Zwei Stunden sind das Minimum, drei Stunden sicher besser. Mehr Infos NS Dokumentationszentrum München: Fragen stellen, Geschichte verstehen.  Ideengeber: Charis liebt die Berge, Architektur und […]

  2. Danke ! Eine faire, sachgerechte, unverfälschte Aufarbeitung der Münchener Geschichte, auch der bekannten Münchener Firmen während der NS-Diktatur, ist auch heute noch richtig und wichtig !

  3. Guten Abend Charis,
    ein sehr informativer und interessanter Beitrag von dir!
    Ehrlich gesagt hab ich es nicht so mit Kultur und Gedenkstätten. Aber für jeden den das interessiert ist dein
    Blogbeitrag auf jeden Fall sehr hilfreich.
    Ganz liebe Grüße,
    Janina

    • Liebe Janina, um gefährliche politische Strömungen zu erkennen, muss man es nicht „mit Kultur haben“. Einfaches Interesse an politischer Bildung reicht. Und die halte ich in jedem Fall für ziemlich wichtig.
      Aber ganz gewiss gibt es gute Alternativen zu dieser Ausstellung. Natürlich.

      Liebe Grüße

  4. Liebe Charis, das hast du wirklich toll eingeleitet. Ich denke, dass vielen jungen Menschen gar nciht bewusst ist, was sie da „rufen“ oder mit „wem“ manche mitlaufen. Es ist unserer Meinung nach sehr wichtig, diese Zeit nicht zu vergessen und uns daran zu erinnern. Wir wollen so etwas nie wieder! Wir können dankbar für unser politisches System sein und das dürfen wir nicht durch Hassreden, verrückten Demonstranten/Gruppierungen kaputt machen lassen. Wenn wir in München sind, werden wir das Gebäude auf jeden Fall aufsuchen. Vielen lieben Dank für diesen Tipp (Auto-Museen gibt es genügend), wir werden ihn nicht vergessen. Lisa & Päddl

    • Liebe Lisa, ich freue mich über Eure Zustimmung und Euer Interesse. ich finde, wenn man mit so einem Beitrag auch nur eine Person erreicht, die sich für das Thema interessiert und sich damit auseinandersetzt, dann hat sich der Beitrag schon gelohnt.

      Liebe Grüße

  5. Hallo Charis, guter Hinweis, ich wohne ganz in der Nähe und habe es bisher nicht geschafft das NS Dokumentationszentrum zu besuchen. Eigentlich nicht schön und werde ich bei Gelegenheit nachholen. Der Herbst beginnt und damit die regnerischen Tage, perfekt für einen Besuch. Wichtig auch, um diese „dunklen“ Zeiten nicht zu vergessen.

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