Bergbäuerin vor Rosis Bergkräutergarten - Irschen

Wohlgeraten unterwegs: Alpen. Leben. Reiseabenteuer.

2514 Kilometer liegen hinter mir, als ich unlängst vollgepackt mit neuen Eindrücken und Ideen aus den Alpen nach Hamburg zurückkehrte. 32 Stunden Autofahrt,  30 Stunden Schlaf irgendwo mit Bergblick am Morgen. 39 Stunden zum Fotografieren, Informieren, Schauen und Bummeln. Ich habe es (zugegeben bis zur totalen Erschöpfung) genossen, denn nur so bleibt wohlgeraten was es ist: nah an der Region, die ich so liebe, mit Bildern aus den Bergen und Berichten über Lieferanten, Land und Leute.

on-the-road
Auf der Landstraße in den Bergen

Um mit Gewohnheiten zu brechen, näherte ich mich diesmal von einer anderen Seite dem Land an. Als erklärte Tirol-Liebhaberin, bin ich immer wieder geneigt alten Spuren zu folgen. Es muss ohnehin sein, denn es gibt Lieferanten, die müssen direkt besucht werden, da sie nicht einmal eine Mailadresse besitzen. Diesmal wollte ich jedoch ausdrücklich  anderen Landesteilen mehr Aufmerksamkeit schenken. So wählte ich als Route:  Salzburger Land > Steiermark > Kärnten > Südtirol > Tirol.

Zuerst ging es über Passau nach Gmunden. Die markanten Konturen des Traunstein begeisterten mich und ich hatte das Glück die komplette Reisezeit von strahlendem Sonnenschein begleitet zu werden. In Gmunden besuchte ich die Manufaktur von Gmundner Keramik, besichtigte die Produktionsräume der Manufaktur und begeisterte mich für deren helles, seit 1905 genutztes Firmengebäude. Ich erfreute mich an den Porzellanmalern, die tatsächlich jeden unserer Hirsche von Hand aufpinseln.  Nachdem ich gesehen hatte, wieviel Handarbeit in jedem dieser Teile steckt, war ich noch sicherer, dass das ein Teil von wohlgeraten sein muss und ich wurde darin bestärkt, die Art, wie Produkte produziert werden, vielfältiger zu hinterfragen und transparenter zu machen.

Gmundner Keramik: Österreichs Geschirr-Manufaktur am Traunstein

Stempel in der Produktion von Gmundner Keramik
Stempel in der Produktion von Gmundner Keramik

Nach der Firmenbesichtigung ging es  kurz an das Ufer des Traunsees und dann relativ schnell weiter.

Gmunden am Traunsee
Gmunden am Traunsee

Ich wollte nach Mandling zu Steiner 1888. Über den Phyrnpass ging es in die Steiermark. Hier war ich tatsächlich vorher noch nie gewesen. Der Tag endete nach unzähligen Stopps irgendwo weit oben in den Bergen an einer Gebirgswiese plus Bach. Ich kochte Nudeln und sah den Mond aufgehen und genoss für ein paar Stunden frei von Internet und jeglichen Verpflichtungen zu sein.

Tag 3 begann mit einem Kaffee aus meiner Bialetti (niemand begleitet treuer auf allen Reisen) mit fantastischem Bergblick und einem spannenden Besuch in der Steiner Wollwelt. (Bericht HIER!)

Hier ist an zwei verschiedenen Wochentagen für jeden Interessierten eine Betriebsführung möglich, die ich allen, die sich in der Region befinden nur wärmstens ans Herz legen kann. Wie die Decken entstehen, die wir bei wohlgeraten verkaufen, die Socken und auch Wärmflaschen und wieso die uralte noch immer intakte Hammerwalke für den Schladminger Loden noch immer an der selben Stelle wie 1888 steht, erkläre ich in einem anderen Artikel.

Wolle vom Dachstein: Die Lodenwalke Steiner 1888

Über Mittag ging es schon weiter über den Tauernpass nach Kärnten. Nachdem ich im Mai auf der Großglockner Hochalpenstraße keinen einzigen Sonnenstrahl hatte, genoß ich hier Bergpanorama vom feinsten in glühender Mittagssonne.

Sich selbst zu fotografieren, ist nicht so der Hit, deswegen gibt’s nur einen einzigen Schuß von der Seite .)

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Weiter südlich besuchte ich einen Lederfabrikanten. Eine Firma, die vor Jahren in einem uralten Gebäude ihre Mnufaktur eingerichtet hat und mich zutiefst beeindruckte. Zum einen bestaunte ich die Räumlichkeiten und das Warenlager, was an ein Kuriositätenkabinett allererster Güte erinnerte. Zum anderen wurde ich vom Fieber neuer Ideen erfasst. Aber auch hierrüber gibt es in Kürze ausführlichere Nachrichten.

 

Ich schlief müde und erschöpft spät abends irgendwo am Rande einer Landstraße ein. Der Mond schien und ich genoss das Gefühl dort zu sein, wo ich am liebsten bin: in den Bergen.

Am nächsten Morgen war ich mit den Hühnern wach und entdeckte auf meiner Weiterreise nach Tirol per Zufall einen wunderschönen Bergbauernhof, auf dem die Bäuerin Rosi Bergkräutertees von allererster Güte produziert. Ich musste dafür lediglich einige hundert Höhenmeter hoch auf gut Glück in die Berge fahren. Man weiß ja nie, was sich dort oben auftut und wie man sieht: ich hatte Glück! Und auch darüber werde ich in Kürze erzählen. HIER!

Landschaft in Südkärnten
Landschaft in Südkärnten

Wieder zurück im Tal wählte ich aufgrund der Sperrung des Felbertauerntunnels die umständlichere Route über Südtirol nach Innsbruck. Das war anstrengender, weil ich nur mühsam vorankam. Die Fahrt durch das mir bisher unbekannte Lesachtal war jedoch ein absoluter Gewinn und ich beschloß hier unbedingt noch einmal herzukommen. Ich kenne nur wenige Täler in den Alpen, die sich noch diese Ursprünglichkeit bewahrt haben.

In einem der Orte des Tals schien um die Mittagszeit eine Beerdigung stattzufinden. Von überall her liefen Anwohner in dunkler Bekleidung trotz glühender Hitze auf den Dorfkern zu. Ich stutze ein wenig und überlegte, was mich daran so verwundert, bis mir auffiel, dass sie alle zu Fuß kamen und dass ich diese Form der Ehrerbietung als etwas Besonderes empfand. Es war nicht dieses bei uns übliche „rasch ins Auto, husch, husch die Grabrede abwarten und zack zum nächsten Termin“. Nein. Hier brachte man etwas mit, was wertvoll ist: Zeit.

Im Lesachtal
Im Lesachtal

Es wäre schön, wenn uns das bewusster würde. Viel öfter möchte ich in Zukunft wieder zu Fuß Wege zurücklegen. Nicht um meine Zeit zu vergeuden, sondern eher um die Zeit, den Weg zu einem Ereignis darauf zu verwenden, darüber nachzudenken. Und nicht die Ereignisse aneinanderzureihen,  die Eindrücke eins zu eins überlagern. (Ein Phänomen, mit dem ich  mich selbst in der Fülle der Ereignisse in diesen Reisetagen konfrontiert sah!)


Nach einer ereignisreichen Fahrt landete ich am Abend des vierten Tages im Hotel Bruggerhof in Fulpmes. Nun war ich endlich in Tirol, aber so ko, dass ich außer schlafen eigentlich nichts mehr wollte und mich gücklich schätzte,  in dieser gemütlichen Unterkunft gelandet zu sein.

bruggerhof-fulpmes-zimmerblick
Bruggerhof Fulpmes

Am nächsten Tag stattete ich dem Tirol Shop in Innsbruck noch einen kleinen Besuch ab, weil ich endlich wissen wollte, mit wem ich dort eigentlich manchmal schrieb und wer mich so warmherzig im Winter an den schönen Achensee eimgeladen hatte.

Dann ging es ab nach Hamburg. Mittags einen Espresso am Goldenen Dachl – abends ein Glas Wein mit Alsterblick. Man schafft das und ich kann es wirklich empfehlen. Es lohnt sich jedes Mal auf’s Neue!

Ein Blick zurück.  Ich komm wieder!

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Blick ins Stubaital

Weiterführende Links zu den Erlebnissen dieser Reise:

Gmundner Keramik: Österreichs Geschirr-Manufaktur am Traunstein

Gold auf 1130 m Seehöhe: Bergkräutertee!

Wolle vom Dachstein: Die Lodenwalke Steiner 1888

Bruggerhof

Charis
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