Braunbären - Buchillustration

Wilde Bären in den Alpen: So verhältst Du Dich bei einer Begegnung richtig

Sie taugen als Wappentier, Kuschelgefährte und oder putziges Vorbild für Honigflaschen. In der freien Natur ist die Begegnung mit einem Bären jedoch von geringer Attraktivität. Denn Bären gelten als Großraubtier und auch wenn sie in der EU einen besonderen Schutzstatus genießen: für Wanderer stellen sie eine gewisse Gefahr dar. Deshalb ist jeder gut beraten, der sich im Vorfeld mit ihrer Verbreitung auseinandersetzt und weiß, wie man ihnen begegnet. 

Geliebt und gefürchtet: Bären in den Alpen

Im Jahr 2005, über einhundert Jahre nachdem der letzte Bär im Val S-Charl in Graubünden erlegt worden war, tauchte ein Bär im Val Müstair im Schweizer Graubünden auf. Die Meinungen waren geteilt. Ich erinnere mich an ein Gespräch zwischen einem Landwirt und einem Ranger des Schweizer Nationalparks. Sie trafen aufeinander, als der Ranger seinen Rundgang durch das Nationalparkgebiet machte. Der Ton zwischen ihnen war freundlich, bis das Thema auf den Bären kam. Während sich der Parkwächter für die Wiederansiedlung des zotteligen Waldbewohners stark machte, sorgte sich der Bergbauer um die Sicherheit seiner Tiere.

Als sie sich trennten, war eins klar: der Ranger würde alles unternehmen, um den Bären zu schützen. Der Bauer würde zur Flinte greifen. Seine Sorge scheint nicht unbegründet. Inzwischen versenden amtliche Stellen in der Schweiz SMS-Warnungen an Imker*innen und Landwirte in der Region, sobald es zu einer Sichtung kommt.

Bergbauernhof oberhalb von S-Charl.
Bergbauernhof oberhalb von S-Charl. Hier diskutierten 2005 in meiner Anwesenheit der Nationlparkranger (im Bild) und ein Landwirt über einen Bär, der im Umfeld des Hofes gesichtet wurde.

Südtirol: Das Projekt „Life Ursus“

In Südtirol entschied 1999 der Naturpark Adamello-Brenta und die Autonome Provinz Trient in Zusammenarbeit mit dem Nationalen Wildtierinstitut (INFS – Instituto Nazionale per la Fauna Selvatica) zehn Bären aus Slowenien einzuführen. Sie sollten im Naturpark Adamello-Brenta ausgewildert werden. Unterstützt von der Europäischen Union erklärten die Initiatoren das Ziel in den folgenden Jahren, eine sich selbst erhaltende natürliche und geschützte Bärenpopulation anzusiedeln. 40 bis 60 Bären sollten auf diese Weise in der Brenta eine Heimat finden.

Aber natürlich lassen sich Wildtiere nicht an einem Ort festsetzen. Bären wandern gern und können deswegen in fast allen Alpenregionen angetroffen werden. Es kommt selten vor, aber dennoch ist die Begegnung möglich. Immer häufiger liest man zum Beispiel im italienischen Trentino von Begegnungen. Auch in Kärnten, Tirol und natürlich in Slowenien ist ein Treffen mit dem Bären nie endgültig ausgeschlossen.

Du musst keine Angst haben!

Da Bären Wildtiere sind, aber von Natur aus eher scheu, sollte man keine Angst vor ihnen entwickeln. Es ist wichtig, gut vorbereitet zu sein und sichere Verhaltensregeln im Umgang mit dem Bären zu kennen.

So verhältst Du Dich richtig bei der Begegnung mit einem Bären

Wer einem Bären beim Wandern begegnet, sollte folgende Dinge beachten:

Ruhe bewahren!  – Auf keinen Fall anfangen zu laufen oder zu rennen. Beachte, dass ein Bär bis zu 50 km/h laufen kann. Du hättest keine Chance! Defensiv entfernen, rückwärts gehen. Auch klettern macht wenig Sinn, Bären können das auch und vermutlich schneller und besser als Du.

Bemerkbar machen! – Das Stichwort heißt „unaufgeregter Lärm“. Er soll Dich wahrnehmen, aber nicht erschrecken. Laut wahrnehmbar und ruhig reden, aber nicht schreien. Großzügige Bewegungen mit den Armen und langsam zurückziehen.

Keine Fotos! – Behalte den Bären im Auge, aber bewege Dich auf keinen Fall weiter auf ihn zu. Vermeide alles, was ihm Angst machen könnte.

Keine Provokation! – Der Bär darf auf keinen Fall das Gefühl bekommen, dass er angegriffen wird. Besonders gefährlich ist das, wenn man auf ein Jungtier trifft, da dieses von der Mutter geschützt wird. Den Bären auf keinen Fall mit Gegenständen bewerfen.

Kein Futter! – Versteht sich eigentlich von selbst.

Direkten Augenkontakt vermeiden.

Der Bär kommt auf Dich zu – Was nun?

Der Bär wird sich eventuell aufrichten, um die vermeintliche Gefahr besser zu erkennen. Hat sich das Tier erschreckt, kann es passieren, dass es auf Dich zustürmt. Das nennt sich Scheinangriff. Der Bär wird normalerweise vor Dir stoppen und den Rückzug antreten. Ruhig bleiben! Hast Du eine Jacke oder einen anderen Gegenstand (keinen Rucksack) dabei, lege ihn vor dir auf den Boden. Entferne Dich vorsichtig weiter rückwärts.

Kommt Dir der Bär sehr nahe, kauere Dich mit dem Gesicht nach unten auf den Boden und schütze Dich mit Deinen Händen. Der Bär wird Dich maximal beschnuppern. Wenn er merkt, dass von Dir keine Gefahr ausgeht, wird er sich wieder entfernen. Bleib ruhig, bis er weit genug weg ist!

Wer Bären sichtet, sollte das melden. Eine Liste findest Du im Prospekt vom Club Art Alpin. In Südtirol ist auch das Amt für Jagd und Fischerei der Autonomen Provinz Bozen, Tel. +39 0471 415170 / 71 zuständig.

Toblerone mit Bär im Matterhorn
Ist Dir schon mal aufgefallen, dass auf der Toblerone ein Bär im Matterhorn abgebildet ist?

Museen und Erlebniswege auf den Spuren der Bären

Schweiz

Bärenmuseum in S-Charl im Museum Schmelzra – Die historische Ausstellung ist nichts für schwache Nerven. Hier steht ausgestopft der 1904 erlegte letzte „ehemalige“ Bär der Schweiz.

Bärenerlebnisweg Senda da l´uors – 2010 von WWF, Scuol Tourismus und dem Schweizerischen Nationalpark angelegter Lehrpfad.

Arosa Bärenland – Gibt Bären aus schlechten Haltungsbedingungen ein Zuhause und können von Besucherplattformen beobachtet werden.

Südtirol

Museum Ladin Ursus ladinicius – Dieses Museum in St. Kassian in Alta Badia widmet sich dem ältesten Bewohner des Tals, dem Höhlenbären.

Österreich

Bärenwald Arbesbach im Waldviertel – Auffangstation der Tierschutzorganisation VIER PFOTEN für Bären in Not.

 

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Charis
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  1. Patrik

    Vor zwei Wochen hat ein Bär in Südtirol auf ca. halber Höhe zwischen Marling und Vigiljoch Ziegen gerissen und ein Wolf oberhalb von Eppan Schafe. Bär und Wolf sind somit mittlerweile auch durchaus in der Nähe touristischer Zentren anzutreffen. Insofern kommt dieser Artikel rechtzeitig zur Beginn der Reisezeit. Vielen Dank.

    • Danke. Das mit dem Bären hatte ich auch gelesen, aus einer Gegend, die für mich selbst für Wanderungen denkbar war. Darum hab ich das geschrieben. Ich möchte keine Panik verbreiten, aber wer in die Natur geht, der muss informiert sein.

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