Bergbäuerin vor Rosis Bergkräutergarten - Irschen

Grünes Gold auf 1150 m – Irschner Bergkräutertee

Folgt man der Drau von Spittal am Millstätter See in Richtung Südtirol, erreicht man etwa auf den halben Strecke das Dorf Irschen. Dieser Ort, der sich bereits vor vielen Jahren eine nachhaltigeren Form des Tourismus verschrieben hat, ist ein magischer Ort für jeden der Kräuter liebt. An einem warmen Sommertag im Sommer 2013 habe ich dort die Bergbäuerin Rosi Kranebetter kennengelernt. Ihr Kräutergarten auf über eintausend Meter Seehöhe ist über die Grenzen Kärntens weit hinaus bekannt.

Ein warmer Sommermorgen im Juli 2013 – nach einer kurzen Nacht, die ich aus Abenteuerlust auf einer idyllischen Anhöhe im Auto verbracht habe, breche ich schon früh am Morgen wieder auf, um über die B100 von Spittal an an der Drau ins Pustertal nach Südtirol weiterzureisen. Es ist kurz nach sechs, die Straßen leer, nur vereinzelt machen sich erste Kärntner auf den Weg zur Arbeit.

Nach etwa 50 Kilometern, das entspricht ungefähr der Hälfte der Stecke bis zur Grenze bei Sillian, entdecke ich Schilder, die auf Kräutergärten und ähnliches verweisen. Mich drängt heute niemand und so biege ich ab, fahre durch Wiesen und Orte und folge wahllos Schildern, die zu Bergbauernhöfen führen. Meine Abenteuerlust ist geweckt und ich bin sicher, schon bald etwas Neues zu entdecken.

Landschaft rund um das Kräuterdorf Irschen
Landschaft rund um das Kräuterdorf Irschen

Kräuterbeete und Bergpanorama: das Kräuterhaus PfarrStadel

Nur wenige Minuten später stehe ich in einem Kräutergarten in Irschen, dem Ort, der sich selbst Natur- und Kräuterdorf nennt. Umgeben von malerischer Landschaft ist ein Schaugarten angelegt, der die Vielfalt der Kräuter in dieser alpinen Region zeigen soll. Die Jahreszeit spielt mir in die Hände: noch vom Tau benetzt, kann ich ein Feuerwerk an frischen Blüten, Blättern und Aromen genießen. – Das dazugehörige „Pfarrhäusl“ in dem die Gemeinde offensichtlich einen Verkaufsraum und ein kleines Kräutermuseum eingerichtet hat, kann ich nur von außen besichtigen. Noch ist es zu früh und so fahre ich weiter den Berg hinauf.

Die Straße ist kurvenreich und die Fahrt macht Spaß, weil die Aussicht ständig wechselt. Um sieben Uhr morgens stehe ich vor einem abgelegenen Bergbauernhof. Die Morgensonne strahlt.  Das Gras der Bergwiesen wirkt saftig, überall blüht es und ein paar Hühner laufen gackernd umher. „Kräutergarten Familie Kranebetter“ steht auf einem Schild.

Geschäftiges Treiben und  Postkartenidylle: Rosis Bergkräutergarten

Die Bäuerin Rosi ist mittleren Alters und gerade dabei die Aufgaben für den Tag einzuteilen. Weil trotz aller Idylle auf dem Bergbauernhof vor allem viel Arbeit anfällt, ist die Familie gerade im Sommer auf jede helfende Hand dringend angewiesen. So schickt Rosi einen Mitarbeiter ein paar Sträucher zu verschneiden – „Die Königskerzen müssen aber stehenbleiben!“ – und bittet einen anderen das Gras zu scheren, um sicherzustellen, das die Wege rund ums Haus nicht zuwuchern. Auch das Vieh im Stall wird versorgt.

Als alle Arbeiten eingeteilt sind, wage ich mich ins Geschehen einzumischen und frage vorsichtig nach dem ausgewiesenen Kräutergarten. Freundlich zeigt Rosi auf einen Trampelpfad, der über die Terrasse vor dem Haus ein Stück den Berg hinaufführt. Wer die Pforte mit dem Holzgatter passiert, tritt in ein Meer aus Blüten. Überall summt es, die Aussicht ist paradiesisch und durch die spürbare Energie, die die Sonne hier oben hervorbringt, haben sich schon zeitig am Morgen alle Knospen geöffnet.

Lavendel wächst hier, Minze, Kornblumen, Salbei, Brombeeren, Melisse, Frauenmantel und Ringelblumen.

Das Wachstum auf den Beeten ist so artenreich, dass ich nicht alles aufzählen kann. Einige Pflanzen sehe ich zum ersten Mal. Viele blühen über und über, wuchern an den Zäunen empor oder suchen sich ihren Weg zwischen den Beeten. Die Menge ist erstaunlich – über 3000 Pflänzchen sollen es sein!

Handgepflückt und handverlesen

Eine lieb lächelnde Bäuerin in einer weißen Schürze kommt mir entgegen. Mit den Händen umfasst sie eine Pappkiste, in der sie frisch gepflückte Bergminze transportiert. Trotz ihres offensichtlich hohen Alters wirkt sie energisch und sehr kraftvoll. Die Haare hat sie fein säuberlich mit einem Kopftuch zusammengebunden.

Während sie behände den schmalen Pfad zum Haus herunter eilt, folge ich ihr. Sie läuft geschickt und stellt ihre Kiste mit den frischen Kräutern auf den Tisch. Ich glitsche aus und lande auf dem Hintern. Wir müssen beide lachen.

Am Haus wird die Minze gesichtet und Blatt für Blatt von Hand vom Stengel gezupft. Alle Kräuter, die Rosi verarbeitet, stammen aus ihrem Garten. Vieles baut sie an, einiges wächst natürlich auch wild. Aber die Mengen sind immer von Witterung, Saison und Qualität der Pflanzen abhängig. Eine Garantie für sicheres Wachstum gibt es nicht. Gerade in diesem Jahr klagt sie über den langen Winter und wie schwierig es ist, immer ausreichende Mengen einzufahren, um zumindest die Belieferung des Kräuterladens und einiger treuer Kund*innen sicherzustellen.

Auf dem Trockenboden

Ich frage Rosi nach der Trocknung des Tees und sie erlaubt mir einen Blick auf dem Boden des Hauses. Direkt unter dem Dach, wo es am wärmsten ist, ist ein riesiger Trockenraum, in dem in vielen Kisten und eigens angefertigten Regalen mit aufgespannten Baumwolltüchern, die einzelnen Kräuter und Blüten für den Tee zum Trocknen ausgelegt werden. Ich erkenne Minze, Lindenblüten und eine violette Malvenart. Könnte ich riechen, es müsste eine Reise durch tausend Aromen sein.

In einem zusätzlichen Lagerraum werden die getrockneten Einzelbestandteile säuberlich getrennt  und in Metallfässern und Tüten aufbewahrt. Sortiert und gründlich beschriftet mit Namen und  Jahreszahl, warten sie nun darauf, zu gezielt arrangierten Teemischungen oder zu Kräutersalzen vermischt zu werden.

Kräuter- aber kein Heiltee, dafür 100 % Bio

Rosis Gärten, es sind zwei: ein Schau- und Nutzgarten und ein Küchenkräutergarten, werden ausschließlich von Hand bestellt. Die Ideale des Kräuterdorfes Irschen, denen auch sie sich verschrieben hat, sehen vor, dass alle verwendeten Pflanzen aus 100% regionalem Bio-Anbau stammen. Rosis Bergräutertee wird ständig geprüft und darf keine fremden Zusätze enthalten. Weil er keine spezielle Arzneimittelprüfung hat, wird er als Kräuter- jedoch nicht als Heiltee angeboten. Eine Unterscheidung, die geschmacklich keinerlei Auswirkungen hat.

Bevor ich weiterreise, trete ich noch einmal in Rosis Küche, um Tee zu kaufen. Sie ist schon wieder vollumfänglich in ihren Alltag eingetaucht und im Arbeitseifer kaum zu stoppen. Maria, die Haushaltshilfe, muss den Staubsauger noch einmal beiseite stellen und dann wird es hektisch. Rosi erklärt, dass bis 10.00 Uhr der Haushalt erledigt sein muss. Direkt im Anschluss kocht sie für zehn Personen ein Mittagessen und bäckt Kuchen für zwölf. Und das nicht nur einmal in der Woche, sondern täglich. Während wir uns also unterhalten, holt sie Unmengen an Eiern aus dem Kühlschrank, schlägt sie in ein Schüssel und wendet sich mir zu.

Ich möchte, aufgrund der ungewöhnlichen Qualität des Tees, eine größere Menge kaufen. Also nicht nur ein Päckchen oder zwei, sondern besser zwanzig. Das sei nicht möglich, erklärt mir Rosi. Die regionalen Geschäfte handeln ihren Tee und müssen bevorzugt beliefert werden. Da die Ernte keine allzu großen Mengen hergibt, bleibt die Ware rar und exklusiv.

Aber auch der Stolz über das eigene Tun, kommt jetzt zum Vorschein:„Sogar Tina Turner trinkt meinen Tee!“ berichtet sie und ihre Augen leuchten.

Nachdem wir uns verabschiedet haben, laufe ich noch ein paar Schritte barfuß über die Bergwiesen. Bei einer Eselfamilie bleibe ich stehen, schaue in die Ferne und genieße die Stille. Am liebsten möchte ich bleiben…

Bergbäuerin in Rosis Bergkräutergarten - Irschen
Bergbäuerin in Rosis Bergkräutergarten – Irschen

Slow Travel in Kärnten

Den Besuch im Kräuterdorf Irschen kann man mit einer Radtour auf dem Drau-Radweg verbinden.  Der führt von Toblach in Südtirol über Lienz in Osttirol nach Spittal und den Millstätter See in Kärnten und dann weiter über Villach bis nach Slowenien. Einen Abschnitt der Tour etwas weiter südlich, habe ich hier beschrieben:

Mit dem E-Bike über den Drauradweg – Kärntens sanfter Süden

Anreise
Über die B100 mit dem Pkw. Umweltfreundlicher mit der Bahn über Spittal/Millstätter See in Richtung Lienz nach Irschen.

Unterkunft (noch nicht getestet)
• „Wander- und Wohlfühlhotel Landhof Irschen“, mit Bergblick oberhalb des Dorfes, nur ca. 10 Min. Fußweg ins Dorfzentrum. Vollholzmöbel, Sauna, großer Garten
• Biohotel „Der Daberer“ im nahen Gailtal
• oder man schaut auf der Seite der Wanderhotels

Erlebnisse
Kräuterfeste, Seminare, geführte Wanderungen. Alle Infos über www.kraeuterdorf.at

Teile diesen Beitrag
Charis
Follow me

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.