Jessica und Franco von der Osteria Bella in Murazzano

La bellezza della semplicità: Osteria Bërla – Naturweinbar in Murazzano

Die Langhe und das Barolo sind für ihre ausgezeichneten Rotweine bekannt. Hier werden bevorzugt Nebbiolo-, Barolo- und Dolcetto-Trauben gekeltert. Obwohl Naturweine immer beliebter werden, gelten sie in dieser Gegend als eher unkonventionell. Doch genau das scheint den Reiz für Jessica und Franco von der Osteria Bërla auszumachen. Wir statten der Weinbar einen Besuch ab.

Wenn der Novembernebel die Weinberge und Haselnusssträucher der Langhe sanft in Watte packt, verlangsamt sich das rege Treiben der Landwirte und Winzer:innen rund um Murazzano. Die Stühle vor den Trattorien werden leerer. Unterhalb des mittelalterlichen Turms, der dem Ort eine unverwechselbare Silhouette schenkt, lodern in der Osteria Bërla Murazzano wärmende Feuer in kleinen Öfen. Hier, in einem der historisch gewachsenen Zentren der Alta Langa, haben Jessica und Franco einen Treffpunkt geschaffen, der sich einer unkomplizierten Gastfreundschaft verschrieben hat.

Osteria Bërla Murazzano – Naturweinbar in der Alta Langa

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Via della Torre 7
12060 Murazzano CN
Tel. +39 334 200 6072
Link zu Google Maps

Parken: z.B. Piazza Cerrina

Öffnungszeiten: Mo/Di geschlossen. Mi/Do 18.00 – 23.00 Uhr. Fr/Sa/So 11.00 – 23.00 Uhr.

Infos auf Instagram

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Das kommt auf den Tisch

Piemontesische Küche mit internationalen Einflüssen
Saisonal wechselnde Gerichte

Rechne mit 20 -30 € pro Person.

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Naturweine und ausgewählte Flaschen von
Serafina Kulturverein
Walter Salvano
Cesca Daniele
Cascina Gasparda
und vielen weiteren lokalen Winzern

Osteria Bërla Murazzano: Eine Weinbar kehrt zum Ursprung zurück

Jessica arbeitete zwanzig Jahre lang in einem renommierten Hotel in Monforte d’Alba in einer landschaftlich reizvollen Umgebung zwischen sanften Hügeln und Weinbergen. Ihr abwechslungsreicher Job war geprägt von den Herausforderungen des aufstrebenden Tourismus im Barolo-Weinbaugebiet. Ein saisonal überlaufener Ort prägte ihren Alltag. Sie sehnte sich nach mehr Ruhe und einem authentischeren Leben. Deshalb kehrte sie im Dezember 2024 in ihre Heimat Murazzano zurück. Der Ort liegt nur wenige Kilometer südlicher und ist doch das Tor zu einer anderen Welt.

„Meine Mutter ist aus Murazzano und kannte den Besitzer“, erzählt Jessica über das Gasthaus, in dem sich heute das Berla befindet. Das Gebäude, seit Ende der fünfziger Jahre Restaurant und Pizzeria, stand acht Jahre lang leer. Als die Mutter beim Eigentümer nachfragte, antwortete dieser: „Ja, warum nicht?“ So einfach war die Entscheidung getroffen.

Gemeinsam mit Franco, der aus der Gegend des Monferrato bei Asti stammt und dort von 2004 bis 2019 ein eigenes Restaurant führte, entwickelte Jessica eine Vision. Ihr Wunsch: eine unkomplizierte Weinbar mit bodenständigen Tellergerichten und Naturweinen.

„Very simple like an old family house, where the people can come and drink a glass of wine, discuss a little bit, eat a plate or no“

Ambiente: Wie ein altes Landhaus in der Alta Langa

Das eingeschossige Lokal mit seinen Rundbogenfenstern erinnert an einen österreichischen Heurigen. Ein Schild über dem Eingang verrät den Namen. Im Sommer stehen Tische und Stühle unter einer weinumrankten Pergola vor der Tür, und die Gäste – Einheimische und Besucher:innen aus unterschiedlichen Ländern – genießen die Aussicht auf die Hügel der Alta Langa.

Bei unserem Besuch hüllt kalter Novembernebel den Ort in Watte. Das Berla empfängt uns mit gemütlicher Atmosphäre. Auf den Fensterbänken und in einigen Regalen reihen sich Flaschen mit Naturwein eng aneinander. Die Etiketten sind oft kunstvoll gestaltet. Neben den Weinen von Serafina Quota aus Roddino – unsere Gastgeber im Piemont – entdecken wir viele uns bisher unbekannte Namen.

Das Herz der Weinbar Berla bilden Tresen und Küche. Rechts und links davon stehen Tische für zwei bis sechs Personen. Bunt zusammengewürfelt, wie vom Flohmarkt zusammengetragen. Weingläser warten darauf gefüllt und wieder geleert zu werden. Das Besteck und karierte Servietten werden von einem Band mit zwei Korken zusammengehalten. Wer es lässiger mag, nimmt auf dem Sofa oder den zwei Sesseln neben dem Eingang Platz. Aus den Lautsprechern tönt leise Musik, während in den Zimmerecken das Feuer in den Öfen knistert.

Berla Murazzano Naturweinbar Piemont - Das Interieur ist ein Sammelsurium antiker Möbelstücke und mit Liebe zum Detail zusammengestellt.
Das Interieur ist ein Sammelsurium antiker Möbelstücke und mit Liebe zum Detail zusammengestellt.

Naturweine aus dem Piemont: Kleine Produzenten, unbekannte Flaschen

Der Name Berla ist ein augenzwinkerndes Wortspiel aus „bere“ (trinken) und einem piemontesischen Begriff für das Hinterteil der Schafe.

Weil Murazzano jahrhundertelang für seine großen Langa-Schafherden bekannt war, griffen Jessica und Franco diese Symbolik auf. Ihr Logo zeigt scherzhaft ein aufrecht spazierendes Schaf mit einem Weinglas in der Hand – eine Anspielung darauf, dass ihre Weinauswahl für die Region eher ungewöhnlich ist.

„Wir denken, dass alle Dinge hier voneinander abhängen“, erklärt Jessica. „Die Atmosphäre ist wie in einem Landhaus. Die Naturweine sind gemacht, wie schon seit Generationen Weine produziert wurden.“ Sie bezeichnen sich bewusst als „piccola osteria, vineria non convenzionale“.

Ihre Entscheidung für biologisch und biodynamisch produzierte Weine, haben sie bewusst getroffen. Wer die Weinbar Berla besucht, kann sich auf eine Entdeckungsreise zu kleineren Produzent:innen begeben und seltene, ausgewählte Naturweine aus dem Piemont probieren. Die Winzer:innen kennen Jessica und Franco persönlich.

Auch die Gerichte auf der handgeschriebenen, von einer Klammer gehaltenen Speisekarte folgen dieser Philosophie. Die Tagesgerichte wechseln. Bei unserem Besuch stehen Frisse (kleine piemontesische Fleischbällchen) und Comodato di Bollito auf der Tafel. Die Karte bietet eine Auswahl traditioneller piemontesischer Gerichte: Salumi di Langa e del Monferrato, Formaggi di Langa, Battuta al coltello, Flan di verdure, Ravioli fritti und Crespelle. Auf den Käsetellern findet sich selbstverständlich der berühmte Murazzano DOP – ein runder, weißer Käse aus Schafsmilch, der im jungen Zustand weich und mild ist und mit zunehmendem Alter härter und aromatischer wird.

Piemontesische Küche im Berla: Franco’s Soulfood, die Comodato di Bollito

Franco, der in Monforte d’Alba ebenso in der Hotellerie arbeitete, bevor er mit Jessica die Weinbar Berla eröffnete, beschreibt seinen Kochstil als eine Brücke zwischen Tradition und Moderne. „In fact, a lot is more traditional“ – tatsächlich ist vieles traditioneller, sagt er. Die Zutaten bleiben piemontesisch und nehmen Bezug zum Landleben: Kraut, Zwiebeln, Käse aus Murazzano und der Umgebung. In der Zubereitung lässt Franco urbane Einflüsse zu, orientiert sich an Turin oder an der französischen Küche. Die Portionen sind klein. Einiges, wie die Polpette oder der Murazzano DOP, lässt sich gut unter Freunden teilen.

Unser Highlight ist das Comodato di Bollito: Ein Stück Rindfleisch, eineinhalb bis zwei Stunden in Brühe gekocht, dann zerkleinert und mit Zwiebeln, Karotten und Sellerie gegart. Im Anschluss werden Fleisch und Gemüse mit Tomatensugo aufgegossen und noch einmal eine halbe bis ganze Stunde gesimmert, bis alles weich und zusammengekocht ist. Franco würzt mit Kräutern wie Basilikum, Oregano und Petersilie, fügt keinen Wein hinzu: „Weniger ist mehr“. Wir löffeln das heiße Stew aus Fleisch und Gemüse und können uns für diesen kühlen Abend gar nichts Besseres mehr vorstellen.

Comodato di Bolito
Comodato di Bolito

Alternativ zum Wein gibt es Softdrinks von lokalen Herstellern, kein Bier. Der Kaffee kommt aus der Bialetti und sollte unbedingt mit dem tagesaktuellen Dolci bestellt werden.

Tages-Dessert @Osteria Berla
Tages-Dessert @Osteria Berla

Berla Murazzano: Slow Food und Naturwein abseits der Barolo-Route

Wenn Jessica und Franco über das „Berla“ reden, leuchten ihre Augen. Ihr Anspruch an sich und das Lokal geht weit über den einer klassischen Weinbar hinaus. Da ist ihre Vision, die eine Brücke zum früheren Landleben in der Langhe schlägt, in eine Zeit, als große Schafherden über die Hügel zogen und die Bäuerinnen den Murazzano-Käse herstellten und auf den Märkten verkauften.

Auch wenn es selten geworden ist, gibt es traditionelle Käse-Produzentinnen bis heute: Valentina von Forletto Murazzano stellt mit ihrer Familie Murazzano-Käse und Joghurt aus Schafsmilch her. Mittwoch steht sie mit einem kleinen Stand in Murazzano, am Samstag auf dem Wochenmarkt in Dogliani.

Während anderswo der Begriff von Slow Travel und Slow Food gern vollmundig propagiert wird: Im Berla, fernab der touristischen Trubels der Barolo-Region ist dieses Lebensgefühl spürbar. Ob an einem Winterabend, während draußen der Nebel die Hügel umhüllt und das Feuer im Ofen knistert oder an einem warmen Sommerabend im Schatten des 33 Meter hohen Torre Maestra: Im Berla nippt man an einem Glas Wein aus der Langhe und findet in der Schönheit des Ursprünglichen sein eigenes Tempo.

Die Osteria Berla ist gleich neben dem bekannten Turm von Murazzano.
Die Osteria Berla ist gleich neben dem bekannten Turm von Murazzano.

Über Murazzano

Murazzano ist eines der wichtigsten Zentren der Alta Langa und liegt auf 739 Metern Höhe. Die Nähe zu den Seealpen und die grasbewachsenen Hügel sorgen für viele wundervolle Ausblicke. Im Winter kann reichlich Schnee fallen. Überragt wird das Dorf von einem mittelalterlichen Turm aus dem Jahr 1300, der einst Teil einer Burg war. Der quadratische Steinbau misst 5,5 mal 5,5 Meter bei einer Höhe von 33 Metern. Seine Mauern sind 1,5 Meter dick. Bis zum Beginn des 19. Jahrhunderts stand hier ein Schloss, das einem Feuer zum Opfer fiel.

Die Hauptstraße führt zu einem von Arkaden umgebenen Platz, an dessen Ende sich die Fassade der im 14. Jahrhundert erbauten Pfarrkirche San Lorenzo mit ihrem Glockenturm präsentiert.

Berühmt ist Murazzano vor allem für seinen gleichnamigen Käse: Der Murazzano DOP wird aus Schafsmilch hergestellt und ist etwa 12 Zentimeter im Durchmesser und 2 bis 3 Zentimeter hoch. Jung ist er weich und mild im Geschmack, mit zunehmendem Alter wird er härter und aromatischer. Traditionell wurde der Käse von Frauen hergestellt, die ihn dann nach Murazzano brachten und an Händler verkauften, welche ihn in die größeren Städte transportierten.

Mehr Infos über den Ort: Visit Murazzano

Der Murazzano DOP ist eine Käse-Spezialität aus dem Ort.
Der Murazzano DOP ist eine Käse-Spezialität aus dem Ort.

Weitere Highlights von Murazzano

Torre di Murazzano – Historisches Baudenkmal. In den Sommermonaten Juli und August kann der Turm am Sonntag besichtigt werden. – Link zu Google Maps

Via Conte Adami & Parocchia di San Lorenzo – Lohnt sich für einen kurzen Rundgang. Hier hat man eine schöne Aussicht auf die Umgebung von Murazzano. Am Ende steht eine reich ausgemalte Kirche aus dem Jahr 1928. – Link zu Google Maps

Kirche San Lorenzo in Murazzano
Kirche San Lorenzo in Murazzano

Pasticcheria Rui – Die beste Konditorei der Umgebung. Unbedingt auch die dragierten Haselnüsse probieren und etwas zum Mitnehmen kaufen! – Via Lorenzo Bruno, 121, 12060 Murazzano CN – Google Maps

Santuario della Vergine di Hal – Mit zahlreichen Fresken ausgestaltete Kirche, auf deutsch die „Zuflucht Gesegnete Jungfrau von Hal“. Der Bau stammt aus der ersten Hälfte des 17. Jahrhunderts und steht auf den Überresten einer älteren Kirche „S. Maria di Buzzignano extra muros“. – Via C. d’aste, 12060 Murazzano – Google Maps

Historische Windmühle –  Nordwestlich von Murazzano befinden sich am Ortsausgang auf einem Hügel Überreste eine eta tausend Jahre alten Windmühle. Der Steinturm ist heute eine Ruine. Mit etwas Fantasie kann man sich die Mühle aber noch ganz gut vorstellen. – Via Rea Sottana, 12060 Murazzano CN – Google Maps 

Wochenmarkt in Murazzano – Immer am Freitagmorgen verkaufen Händler aus dem Umland Obst, Gemüse und saisonale Produkte. Außerdem gibt es den Murazzano DOP zu kaufen. – Piazza Cerrina – Google Maps

Unterkünfte in der Umgebung*

 

Charis
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1 Kommentar zu “La bellezza della semplicità: Osteria Bërla – Naturweinbar in Murazzano

  1. Karina

    Wie entzückend.
    Man kann sofort verstehen, dass es euch gefallen hat.

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