Die fast 1000 m lange Eisenbahnbrücke Dömitz wird heute nicht mehr genutzt, weil nur noch teilweise intakt. Imposant ist das Bauwerk noch immer.

Brückenwandern an Brückentagen in der Metropolregion Hamburg

Kaum wird es draußen wärmer, wächst die Lust auf Abenteuer. Doch wohin, wenn die Reisebeschränkungen durch die Corona-Pandemie einen echten Urlaub noch verhindern oder nur Zeit für eine Tagestour bleibt? Ich habe das Wort Brückentage einmal wörtlich genommen und mich in der Metropolregion Hamburg nach Flussläufen, Brücken und Architektur umgeschaut.

Hamburg gehört zu den brückenreichsten Städten in Europa. Mit 2500 unterschiedlichsten Bauwerken ist ein Vergleich mit Venedig und Amsterdam durchaus angemessen. – Grund genug, einmal der Frage nachzugehen, wie gut die Metropolregion rund um Hamburg in diesem Punkt mithalten kann. Dafür habe ich mich in einigen ausgewählten Landkreisen etwas genauer umgesehen.

Ein Tagesausflug nach Mecklenburg-Vorpommern hat uns zwar erst einen kleinen Schreck (Achtung: aktuelle Einreisebeschränkung) und dann aber doch viele spannende Eindrücke beschert. Um Ärger zu entgehen, führte uns die Tour vom Schloß Ludwigslust Richtung Elbe in den Landkreis Lüchow-Dannenberg und von dort über Lüneburg zurück nach Hamburg. Und ja: all das  gehört zur Metropolregion.

(Die Einreisebeschränkungen waren am Tag zuvor geändert worden. Da der Aufenthalt einen beruflichen Hintergrund hatte, wurde uns der Spaziergang im Schlosspark gestattet.)

Schloß Ludwigslust in Mecklenburg Vorpommern
Schloß Ludwigslust in Mecklenburg Vorpommern

Metropolregion Hamburg – 1000 Orte, 1000 Möglichkeiten

Zur Metropolregion Hamburg zählen über 1.000 Orte, zwanzig Landkreise bzw. kreisfreie Städte. Das Gebiet erstreckt sich über vier Bundesländer und bildet einen Wirtschafts- und Sozialverbund. Während die Region im Norden bis an die Ostsee und den äußersten Zipfel von Fehmarn reicht, kann man im Süden den Schafen in der Lüneburger Heide bei Buchholz/Schwarmstedt über den Rücken streichen. Eine natürliche Grenze im Westen bildet die Nordseeküste zwischen Bremerhaven und Cuxhaven. Im Osten ist hinter Schwerin am Ufer von Plan am See Schluss.

Wer die touristischen Highlights der Region kennenlernen möchte, blättert am besten hier. → metropolregion.hamburg.de/natur-und-kultur-erleben/

Karte der Metropolregion Hamburg Bild: © Metropolregion Hamburg
Karte der Metropolregion Hamburg Bild: © Metropolregion Hamburg
Offenlegung: Vergütete Werbung für die Metropolregion Hamburg. 
Bilder die nicht von mir stammen, sind entsprechend gekennzeichnet. 
Alle Tipps und Empfehlungen durfte ich nach Lust und Laune zusammentragen.

Landkreis Ludwigslust-Parchim

Unsere Brücken- und Architektur-Rundfahrt startet auf der A24 Richtung Berlin. Von Hamburg nach Ludwigslust fährt man eine gute Stunde mit dem Auto. Wer in den ICE am Hauptbahnhof einsteigt, ist sogar noch schneller da.

In Bezug auf Brücken scheint das Ziel zunächst falsch gewählt. Dafür ist dieser Landstrich reich an schönen Seen. Der → Schaalsee ist Unesco-Biosphärenreservat und wäre allein einen Tagesausflug wert, aber heute wollen wir weiter. (Brücken gibt es hier kaum, dafür wunderschöne Stege, die in den See hinein reichen und viel Natur!)

Wie schön man am Schaalsee wandern kann, haben Kathrin und Kristin von travelinspired hier beschrieben.

In Ludwigslust fahren wir durch die beidseitig von Linden gesäumte → Schlossstraße. Ihre zweigeschossigen Häuser aus rotem Backstein schaffen eine ganz außergewöhnliche Atmosphäre. Schnurgerade führt unser Weg auf das Schloss zu. Und: macht erst einmal sprachlos. Mit dieser Pracht und einem solchen Schlosspark haben wir nicht gerechnet. Nicht umsonst wird das barocke Bauwerk, dessen Ursprünge in einem Jagdschloss von 1735 liegen, auch das Versailles des Nordens genannt.

Der Schlosspark in Ludwigslust – ein kleines Paradies

Da wegen der Pandemie die Schlossbesichtigung ausfällt, bleibt reichlich Zeit für einen ausgedehnten Spaziergang durch den Schlosspark. Unendlich lange Wege führen an gepflegten Rabatten, Wiesen oder Waldstücken mit tausenden blühenden Buschwindröschen vorbei. Und: immer wieder überqueren wir kleine Brücken, die die vielen künstlich angelegten Wasserwege und Teichanlagen überspannen. Wir haben also gefunden, wonach wir gesucht haben und das in einer besonders schönen Umgebung.

Schloss Ludwigslust – Alle Infos zu Geschichte, Museum und Besichtigungsmöglichkeiten

Noch sind die Bäume nackt. Wenn die Natur im Mai ihre volle Power entfaltet: was muss das für ein Schauspiel sein! Für uns heißt es an dieser Stelle jedoch Abschied nehmen. Noch ein ausgedehnter Blick auf das Schloss und dann ab über die Elbe ins nahe Niedersachsen.

Eine tolle Möglichkeit, sich über das Schloss, die Kunst des Papiermachés und Ludwigsluster Persönlichkeiten zu informieren, ist der Podcast aus der „Einfach mal raus“-Reihe der Metropolregion Hamburg. Kurzurlaub zum Hören

Steffi von „Keine Eile“ hat den Park ausführlicher besucht und beschrieben

Über die Elbe ins Wendland

Der kürzeste Weg von Ludwigslust nach Niedersachsen führt unausweichlich über das Wasser, denn die Elbe trennt als natürliche Barriere das Bundesland Mecklenburg-Vorpommern von Niedersachsen.

So entdecken wir ungeplant ein weiteres spannendes Bauwerk. Direkt neben der 1992 eingeweihten „neuen“ Dömitzer Brücke befindet sich die historische Eisenbahn-Elbbrücke Dömitz.

Die fast 1000 m lange Eisenbahnbrücke Dömitz wird heute nicht mehr genutzt, weil nur noch teilweise intakt. Imposant ist das Bauwerk noch immer.
Die fast 1000 m lange Eisenbahnbrücke Dömitz wird heute nicht mehr genutzt, weil nur noch teilweise intakt. Imposant ist das Bauwerk noch immer.

Diese Brücke überspannt in sechzehn Abschnitten die Elbe und die tiefer gelegten Elbwiesen. Sie zählt mit einer Länge von ca. 970 m zu den längsten Strombrücken Deutschlands. Leider wurde das Bauwerk im zweiten Weltkrieg beschädigt und konnte nicht mehr genutzt werden. Die Lage an der einstigen Grenze zwischen Ost und West verhinderte den Wiederaufbau und so ist das Architekturdenkmal bis heute in einen nicht enden wollenden Dornröschenschlaf gefallen.

Für uns geht es zwischen Feldern, Wiesen und malerischen Dörfern weiter durch das Wendland im Landkreis Lüchow-Dannenberg. Eine vom Landleben geprägte Architektur, deren Besonderheit in den Rundlingsdörfern besteht. Das bedeutet, dass die landwirtschaftlichen Gebäude mit ihrem Giebel kreisförmig um einen runden oder ovalen Dorfplatz ausgerichtet werden. Viele Höfe haben in ihrem Fachwerk Inschriften, es gibt imposante Tore und auch das Fachwerk selbst, weiß mit immer neuen und fantasievollen sichtbaren Holzkonstruktionen zu begeistern.

Überblick über sehenswerte Gemeinden im Wendland

Ausflugstipps für das Wendland hat Claudia vom Blog Weltreize hier beschrieben.

Lüneburg – Backstein, weißes Gold und Architektur von Libeskind

Aber auch in den Rundlingsdörfern im Wendland ist unsere Reise noch nicht zu Ende, denn von Lüchow-Dannenberg ist es nur einen Katzensprung bis nach Lüneburg.

An normalen Tagen würden wir die → Ilmenau entlang spazieren. Dann, in der Mitte der Stadt am sogenannten „Stint“ etwas trinken, über die Brücke laufen und dem historischen „Alten Kran“ von 1346 einen Besuch abstatten. Die wunderschönen Backsteinhäuser aus der Blütezeit der Salz- und Hansestadt (Salz: „das weiße Gold“) laden selbst jetzt in Pandemiezeiten zu einem abwechslungsreichen Architekturspaziergang ein. Immer gibt es neue Inschriften, Glasuren oder Giebelformen zu entdecken.

Lüneburgs offizielle Tourismusseite mit vielen Tipps für die Stadt

Ich wünsche mir noch einen kurzen Abstecher zum → Universitätsgebäude der Leuphana, denn seit einem Vortrag auf dem International Mountain Summit in Brixen haben es mir die Gebäude des US-amerikanischen Architekten Daniel Libeskind angetan.

Dort endet unsere kleine ArchitekTour. Von Lüneburg nach Hamburg reist man in weniger als einer Stunde mit dem Auto zurück nach Hamburg.

Industriekultur: Eisenbahnbrücke Preten

Extra-Tipp: Ein weiteres „Brücken-Highlight“ in der Region ist die Eisenbahnbrücke in Preten. Diese Brücke zählt zur Industriekultur in der Metropolregion. Sie gehört zur 1972 stillgelegten Kleinbahn Brahlstorf-Neuhaus und quert den Fluß Sude bei Preten. Ihre besonders imposantes Aussehen ist auf drei große Stahlfachwerkträger zurückzuführen. 1911 errichtet, hat die Brücke leider ihre beste Zeit hinter sich und müsste dringend saniert werden. Hier gibt es → Bilder und weitere Informationen.

Hier kannst Du Dir eine Übersicht über die aufgeführten Ziele am „Brückentag“ verschaffen

Der Osten und Süden von Hamburg interessiert Dich weniger? Dann ist das vielleicht eine Alternative:

Im Norden: Die Brücken der Trave, Bad Segeberg und Neumünster

Wer nicht bis Fehmarn fahren möchte – die große → Fehmarnsundbrücke bietet sich natürlich fantastisch für einen „Brückentag“ an, kann sich zum Beispiel in den Landkreisen Segeberg oder Neumünster umschauen.

Segeberg

Der Kreis Segeberg liegt im südlichen Schleswig-Holstein und wird stark durch Seen und den Lauf der Trave geprägt.

In Bad Segeberg gab es lange eine sehenswerte Brücke, die aktuell leider nicht mehr begehbar ist. Ansehen kann man sie dennoch: die sogenannte „Soldatenbrücke“ ist eine Holzbrücke über die Trave und befindet sich zwischen der Hamburger Straße und der Bramstedter Landstraße.

Weitere Travebrücken sind gut auf der Internetseite „→ Travebrücken“ erklärt. Oder schaut die → historische Wassermühle in Klein Rönnau an.

Neumünster

Neumünster liegt ebenfalls in Schleswig Holstein. Die kreisfreie Stadt wird durch die Flüsschen → Stör und Schale durchflossen. Nennenswerte Brücken gibt es keine, dafür aber das, auch in Bezug auf die Architektur, interessante Museum für Tuch und Technik. Es zeigt die Geschichte des alten Handwerks von den Anfängen bis heute.

Das Haus mit einer neun Meter hohen Glasfassade, in der historische Maschinen auf einer Fläche von 42 x 48 Metern besichtigt werden können, wurde vom ortsansässigen Architekturbüro Wuttke + Kekeritz geplant.

Textilmuseum Neumünster – Infos zum Museum
Museum-Tuch und Technik in Neumünster – Foto: Jacobs Stadt Neumünster / Metropolregion Hamburg
Museum-Tuch und Technik in Neumünster – Foto: Jacobs, Stadt Neumünster / via Metropolregion Hamburg

 

 

Raus auf’s Wasser

Ausführliche Gewässerbeschreibungen und interessante Paddelreviere zum Wasserwandern im Norden und Nordosten Deutschlands habe ich auf der Seite →fluss info entdeckt.  Hier wurden viele Informationen zusammengetragen, die auf eigenen Erfahrungen beruhen.

Ab in die Heide

Auf dem Blog Luzia Pimpinella gibt Nic weitere Tipps für Tagesausflüge in der Metropolregion. Unter anderem geht es in schwindelnde Höhe auf einen Baumwipfelpfad und in die Lüneburger Heide.

Mit dem Rad am Wasser entlang

Elke vom Meerblog ist Spezialistin, wenn es um Wasser und um SlowTravel geht. Ihre Tipps für Ausflüge in der Metropolregion gibt es hier

 

Teile diesen Beitrag
Charis
Follow me
  1. Liebe Charis! Danke für diesen Artikel. Da sind ein paar schöne Ziele dabei, die ganz bei uns in der Nähe sind. Herzlichen Dank auch für die Erwähnung meines Artikels über den Schlosspark Ludwigslust.
    :) Steffi

  2. Kleint

    Eindrucksvoll und wunderschön.
    Das sollte doch geeignet sein, eine mögliche Einfallslücke für eine interessante Exkursion spielend zu — überbrücken !

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.