Kellerei Meran Burggräfler – Weingenuss und Architektur

Es ist noch vor 11.00 Uhr am Vormittag, als wir den Ausstellungs- und Verkaufsraum der Kellerei Meran-Burggräfler in Marling betreten. Ein Glas Wein zu verkosten, scheint mir um diese Uhrzeit völlig ausgeschlossen. Aber da ticke ich irgendwie anders als die Südtiroler. Im hochmodernen Gebäude der größten Kellereigenossenschaft des Südtiroler Westens gibt es keine richtige oder falsche Zeit für eine Weinprobe. Man tritt hier ein, schaut, plaudert, schmeckt und riecht und genießt und nimmt mit. So ist es auch an diesem Vormittag.

Außenansicht Kellerei Meran Burggräfler

Der Tag kann warten: Wein verkosten in der Kellerei Meran Burggräfler

Während wir noch warten, lässt sich ein betagtes Ehepaar bereits die ersten Tropfen in die Gläser füllen und wird beraten. Ein Mann mittleren Alters, der in seinem Blaumann ganz offensichtlich nur eine Arbeit unterbrochen hat, trifft fast zeitgleich mit uns ein. Er läuft zum Tresen, weiß genau, was ihm schmeckt und bestellt ein ganzes Glas. Ich staune.

Der helle und durch Glas und Stahl geprägte Bau ist vom Südtiroler Architekten Werner Tscholl konzipiert. Eine nach innen gerichtete Wand ist mit zahlreichen Flaschen der Winzergenossenschaft dekoriert. Aus wohlgeformten, dünnwandigen Gläsern kann man degustieren, seine Favoriten bestimmen und dann kaufen. Viele Gäste kommen jedoch auch einfach nur zum plaudern, trinken ein, zwei Gläser und fahren wieder. So wird die Kellerei neben dem Verkauf auch zu einem Ort der Kommunikation.

Unser Vorteil heute ist, dass wir von einem Genussbotschafter Südtirols begleitet werden: Andreas Gottlieb Hempel ist Diplom Sommelier und führt uns zunächst an das grundlegende Wissen zur Weinverkostung heran. Wir erfahren beispielsweise, dass der Wein beim Schwenken im Glas Kirchenfenster erzeugt, an denen man ablesen kann, wie hoch der Alkoholgehalt ist oder dass die Farbe viel über die Beschaffenheit und die Qualität des Weines aussagt.  Ich lerne, dass Vernatsch keine zusammengegossene Plürre ist, sondern nach Jahren der schwächeren Qualität zu einem nun wieder ernstzunehmendem Südtiroler Wein ausgebaut wurde. Auch, dass bestimmte Rotweine sogar leicht gekühlt schmecken können, war mir bis heute neu. Unser kleiner Ausflug in den Weinbau ist genüsslich und vor allem auch sehr informativ.  Meine Empfehlung aus dieser Kellerei heute: der Meraner Schickenburg.

Architektur und Entstehung

Die Entstehung des modernen Kellereigebäudes ist auf den Zusammenschluss zweier Traditionskellereien aus dem Meraner Land zurückzuführen. Die einstige Burggräfler Kellerei und die Weinkellerei Meran Algund haben in diesem Bau ihre Kräfte gebündelt und einen Neustart gewagt.

Etwa 400 Mitglieder haben sich entschieden die Erträge ihrer teilweise zu kleinen Weinanbauflächen in die nun entstandene Winzergenossenschaft mit ca. 260 ha einzubringen. Das bringt Vorteile für alle, denn das Keltern in dieser Größe ist für alle sehr viel effektiver und die Vermarktung repräsentativer, als das ein einzelner Weinbauer auf seinem Hof leisten kann. Alle Winzer der Gemeinschaft transportieren ihre Erträge aus teils erstaunlich kleinen Flächen und aufregenden Hanglagen, in den großen modernen Keller unterhalb des Gebäudes. Dies geschieht unbeobachtet vom Besucherverkehr, der tief in den Berg gebaut wurde.

Für uns ist an diesem Tag die Zeit leider zu knapp, aber wer es einrichten kann, unternimmt eine der angebotenen Kellerführungen. Dabei kann man die Weinfässer besichtigen, sowie verspiegelte Rohre, die das Tageslicht in die tiefer gelegenen Räume transportieren.

Wir genießen noch kurz die von Nebelschwaden umwaberte Weinberge von Marling. Obwohl Südtirol so wenige Regentage im Sommer hat: ausgerechnet heute ist einer davon, aber auch das hat seinen Reiz. Der Ausblick aus dem vergläserten Pavillion ist aussichtsreich und auch der Blick von außen auf das Gebäude ist toll. Während innen Holz und der Blick ins Freie die Szenerie dominieren, beeindruckt von außen die Spiegelung der Weinberge in den großen Fensterflächen.

Kartons mit Vernatsch, Weissburgunder und Chardonnay werden in unser Auto gehievt. Für den Shop gibt es einen  Grappa aus der Algunder Kellerei.

Wer die Kellerei besucht. sollte sich auf’s Fachsimpeln und Probieren mit den Einheimischen einlassen, ihren Empfehlungen vertrauen. Denn wer erst einmal da war und das erlebt hat, der verlässt den Ort mit einem Lächeln. Versprochen.

Weinkeller, Önothek und Weinshop der Kellerei Meran Burggräfler

Marling bei Meran
Kellereistraße 9
Tel. +39 0473 447137

Kellerführungen mit anschliessender Weinverkostung:  März bis November,  Montag bis Freitag

Offenlegung: Meine Beschreibung basiert auf einem privaten Besuch in der Kellerei.

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Charis
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    Ich finde die Gestaltung der Kellerei sehr schön. Wie schon beschrieben wirkt dies sehr modern auf mich und vor allem einladend. Kann man bei ihnen auch Wein bestellen. Sprich gibt es zu der Kellerei auch einen Weinshop. Ich trinke sehr gerne abends mit meiner Frau vor dem Kamin ein Glas Rotwein. Am liebsten Amarone oder Chianti. Haben sie diese Weine im Sortiment?

  2. Avatar

    Der Vernatsch Schickenburg der Kellerei Meran hat 2013 im italienischen Weinführer gambero rosso (der Bibel unter den Weinführern) die höchste Auszeichnung – 3 Gläser – erhalten. Niemand hätte je gedacht, dass ein Vernatsch in diese olympischen Höhen aufsteigen würde. Also mal herhören, liebe Feinde des Kalterersee Weines: die Plörre von einst in der 2 Liter Flasche mit Drehverschluss und Aspirin dabei gibt es nicht mehr! Heuer, 2014 hat es der Vinschgau Weißburgunder Sonnenberg 2013 der Kellerei Meran zu den Ehren der 3 Gläser gepackt, zusammen mit 28 weiteren Südtiroler Weinen, darunter auch der Kalterersee Pfarrhof 2013 der Kellerei Kaltern (sic!). 0.7% der gesamten Weinproduktion Italiens macht Südtirol – und erhält dafür 12% aller Auszeichnungen, fernab der Massenproduktion der 1960er Jahre. Das ist doch ein Grund mal eine Flasche (oder auch mehrere) davon zu leeren.
    Zum Wohl!
    Andreas Gottlieb Hempel

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