Damastmuseum Großschönau – Ausstellungsraum

Deutsche Textilgeschichte im Zittauer Gebirge – Damast- und Frottiermuseum Großschönau

Großschönau in Sachsen. – Kette, Schuss und Schiffchen: wer das Deutsche Damast- und Frottiermuseum in Großschönau besucht, erfährt viel über die Entwicklung der Weberei in den vergangenen Jahrhunderten. Das historische, um 1809 erbaute Gebäude liegt inmitten einer 5000 Seelen Gemeinde unweit der Landesgrenze zu Tschechien. Neben Beispielen aus der Textilgeschichte der Gemeinde und aufwendigen Mustern, beeindrucken vor allem die Webstühle, die teilweise bis heute in Betrieb genommen werden können. 

Die Flussläufe von Mandau und Lausur und die Lausche, mit 793 m Höhe höchste Erhebung der Oberlausitz, prägen die Landschaft rund um Großschönau. Der kleine Ort im Zittauer Gebirge  liegt fussläufig von der Grenze zur Tschechischen Republik entfernt. Wer gern wandert, kann Böhmische Knödel an Originalschauplätzen essen und sich ein Glas Staropramen frisch vom Fass zapfen lassen.

Fabrikantenvillen und Böhmische Knödel

Aber die sanften Hügel des Zittauer Gebirges und der Weg über die Grenze sind nur ein Teil der Attraktionen, die den Ort und seine Umgebung für Urlauber attraktiv machen. Spannend ist die Geschichte von Großschönau, die seit Mitte des 17. Jahrhunderts intensiv durch die Textilherstellung geprägt ist. Wer heute durch den Ort spaziert, trifft an vielen Stellen auf lebendige Industriearchitektur und herrschaftliche Fabrikantenvillen. Vieles ist mit Liebe zum Detail restauriert.

Wie funktioniert denn so ein Webstuhl?

Das Damastmuseum Großschönau steht am Ufer der Mandau und ist von Oberlausitzer Umgebindehäusern umgeben. Es wurde 1807 bis 1809 als Wohnhaus für einen Damastfabrikanten errichtet und 1937 an die Gemeinde verschenkt. Seit dieser Zeit wurde die Villa als Museum genutzt. In ihrem Inneren pocht noch immer das Herz der Damastweberei.

♦ Zu „normalen“ Zeiten kann der Besucher zwischen einem Rundgang durch die Dauerausstellung oder Führungen wählen. Durch die Corona-Pandemie ist das Programm leider etwas eingeschränkt. Stand Juni 2020 werden keine Führungen angeboten. Die Ausstellung ist jedoch meistenteils selbsterklärend.

Webstühle im Wechsel der Epochen

Die Ausstellung beginnt mit der Besichtigung von Webstühlen aus verschiedenen Epochen. Ein Leinenwebstuhl, wie er in vielen Oberlausitzer Umgebindestuben stand, ist die einfachste Form und die Bespannung mit Kette und Schuss für den Betrachter einfach nachzuvollziehen.

Der Stolz des Museums steht in einer kleinen Stube und wenn nicht viel los ist, sollte man auf der Ofenbank gegenüber Platz nehmen und eine Weile staunen. Der hier gezeigte  Damasthandzugwebstuhl ist, zumindest nach Aussage des Museums, der letzte funktionsfähige seiner Art in Deutschland, wenn nicht sogar in Europa. Unzählige und kunstvoll verknotete Kettfäden, die durch geschicktes Ziehen und Einfahren der Schussfäden zu filigranen Stoffmustern werden, lassen erkennen, wie kompliziert die Fertigung eines echten Damastgewebes ist. Und sie verraten, dass das heute inflationär als Damast verkaufte Industriegewebe allenfalls ein müder Abklatsch, der einst hoch entwickelten Handwerkskunst sein kann. Der Damast aus Großschönau war mit seinen Abbildungen aus Flora und Fauna so begehrt, dass viele europäische Herrschaftshäuser zu den Abnehmern der teuren Gewebe zählten.

Ungemütlicher wird es, wenn Lochkarten ins Spiel kommen und die Webstühle durch Motoren angetrieben werden. Dann entsteht ohrenbetäubender Lärm, den man nicht länger als ein paar Minuten aushalten will. Symbolisiert wird der technische Wandel durch einen der Jacquard-Webstühle im Raum nebenan. Er erklärt den Weg vom fast unerschwinglichen Damast, zu dem für alle Bevölkerungsschichten bezahlbaren Jacquardgewebe und schlägt damit die Brücke bis in die Neuzeit.

Wer meint nun alles gesehen zu haben, irrt. Ein weiterer Webstuhl, der manuell betrieben wird, zieht die Blicke der Besucher auf sich. Großschönaus Fabrikanten machten ihr Geld neben kunstvollen Mustern auf glänzend kalanderten Damastoberflächen mit einem weiteren Produkt. Im Jahr 1856 wurde in der Oberlausitzer Gemeinde der erste Frottier-Webstuhl aufgebaut. Die raffinierte Webtechnik erlaubte es, auf Stoffbahnen dicht an dicht gleichmässig große Schlaufen entstehen zu lassen: die Urform unseres flauschigen Badehandtuchs.

Vom Heimat- zum Textilmuseum

Der erste Stock des Museums erklärt die ursprüngliche Intention des Hauses, denn das Damastmuseum ist aus einer heimatgeschichtlichen und naturwissenschaftlichen Sammlung hervorgegangen. Neben regionaler Kunst und Alltagsgegenständen finden sich hier Exponate, die im Zusammenhang mit Textilentwürfen als Vorlagen genutzt wurden: vom präparierten Vogel bis zum Mineral.

Eine Wand mit herausziehbaren Schaukästen zeigt Exponate aus vielen Jahren Textilgeschichte. In einem hängt ein Handtuch aus der ehemaligen Frottierfabrik meines Großvaters.

Der für mich spannendste Teil der Ausstellung ist die Schauwerkstatt, in der noch heute Kleinserien produziert werden. Von der Herstellung eines Lochstreifens bis zum kniffligen Binden eines Weberknotens werden viele Fertigungsschritte praktisch erklärt.

Das Damastmuseum Großschönau eignet sich für Singles, Paare und Gruppen. Eine Besichtigung mit sehr kleinen Kindern ist eher weniger zu empfehlen.

Deutsches Damast- und Frottiermuseum

Schenaustraße 3
02779 Großschönau

→ www.ddfm.de

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Durch Großschönau führt außerdem ein Textil-Lehrpfad mit Schautafeln, auf dem man mehr über den Ort und seine Entwicklung erfahren kann.  Es gibt Faltblätter zum Mitnehmen. Ein netter Spaziergang für die ganze Familie. → www.ddfm.de/de/Textilpfad/

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Charis
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