Matchatee

Reisen in Gedanken – Alltägliches, das Fernweh stillt

Je länger die Pandemie dauert, umso weniger ist mir nach Konsum. Was nicht heißt, dass alle meine Wünsche erfüllt sind und ich keinen Spaß mehr am Kaufen habe. Aber ich konzentriere mich mehr auf das Besondere, möchte langlebige Dinge besitzen, die eigene Geschichten erzählen. Vieles was mir wertvoll ist, habe ich auf meinen Reisen erworben.

Das Bild mit dem Tee zeigt, wie sich dieser Wunsch nach Geschichten besonders jetzt in der reisearmen Zeit auszahlt. Meine fast alltägliche kleine Matcha-Zeremonie hilft im Moment gegen das Fernweh:

Die Holzschale, aus der ich den Tee trinke, habe ich im letzten Jahr auf der Rückreise aus Vorarlberg auf einem Zwischenstopp nach München gekauft. Das war einer der wenigen Tage, an denen wir über einen Flohmarkt bummeln konnten. (Ich mag die Münchner Hof-Flohmärkte so sehr, weil sie einem die Chance eröffnen in viele der sonst verschlossenen Hinterhöfe zu schauen. Man kommt mit den Einheimischen ins Gespräch und findet immer wieder Erstaunliches.) Durch Zufall habe ich dabei in der Nähe vom Gärtnerplatz einen mir bis dahin unbekannten Japanladen entdeckt und nun brenne ich darauf, ihn wieder zu besuchen.

Der Matcha-Besen (Chasen) stammt aus Maastricht. Er erinnert an ein schönes langes Wochenende in den Niederlanden.

Das Matcha-Pulver in der schwarz lackierten Dose ist aus Paris aus einem der ungewöhnlichsten und geschmackvollsten Geschäfte, dass ich je besucht habe: Ogata. Meine Tochter hat den Laden ausfindig gemacht und wir haben ihn kurz vor dem Lockdown im März besucht. Logisch, dass ich die Dose mit dem froschgrünen Puder danach wie einen Schatz gehütet habe.

Der Untersetzer aus Leinen stammt aus Japan. Meine komplette Familie inklusive meiner Eltern war dabei, als wir am Mt. Fuji eine Leinenweberei entdeckten, in der wir trotz Ladenschluss noch etwas kaufen konnten. Mit der Inhaberin hatten wir viel Spaß. Am Schluß hat sie mir mehrere bunte kleine Deckchen geschenkt. Das ist eins davon.

Zwei Hände, die „die Beute“ entgegenstrecken

Der größte Schatz ist für mich die grob geformte, unglasierte Tonschale. Sie stammt aus meinem Lieblingsladen in Matsumoto in den japanischen Alpen. Der Laden wird von einem Paar geführt, das offensichtlich sehr künstlerisch veranlagt ist. Sie handeln mit besonderer Keramik, Holzlöffeln (der, den man sieht, ist auch von da) und anderen handwerklichen Gegenstände. Diese werden, wie so oft in Japan, mit kunstvollen Griffen in knisterndes Papier gewickelt, mit einem kleinen Klebezettel verschlossen und in einer, vom Ladeninhaber eigens mit einer Mini-Zeichnung verzierten Papiertragetasche mit beiden Händen übergeben.

Wann immer ich die Schale benutze, muss ich an diesen wertschätzenden Moment der Übergabe denken.

Das freundlich lächelnde Gesicht, die beiden Hände, die mir meine „Beute“ entgegenstreckten und das fröhliche Lachen, als wir aus dem Laden gelaufen sind.

Es sind also – für mich – nicht die Dinge allein, die glücklich machen. Es ist der Moment des Erwerbens und die Geschichte, mit der sie in das eigene Leben Einzug erhalten.

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