Das Kräuterwissen meiner Großmutter – Buch von Edition Raetia

Ratgeber für gesunden Lebensstil: Das Kräuterwissen meiner Großmutter

Das Sammeln von Wildpflanzen und -kräutern hat in den Alpen eine lange Tradition. Dabei ging es den Menschen um die Beschaffung lebenswichtiger Vitamine und Ernährungsgrundlagen und nicht, wie man heute vermuten könnte, um dekorative und besonders schmackhafte Zugaben zu einer sonst kargen Küche. – Eine, die das meist innerhalb der Familie weiter gegebene Wissen über besondere Pflanzen und ihre Verwendung aufgegriffen und in die Gegenwart gerettet hat, ist die Passeierin Rosi Mangger Walder. Ihr Buch „Das Kräuterwissen meiner Großmutter" enthält unkomplizierte Rezepte und praktikable Anleitungen für Hausmittel, Salben und Teemischungen aus Wildkräutern und Pflanzen, die im Alpenraum gedeihen. 

„Ich bin mit der Natur und ihren Schätzen groß geworden und wohl gerade deshalb heute eine Frau, die mit guten Lebens- und einfachen Hausmitteln versucht, die eigene Familie gesund zu erhalten.“ Rosi Mangger Walder

Rosi Mangger Walder, 1976 geboren, besitzt gemeinsam mit ihrer Familie einen 2000 m² großen Garten. Es sind der Froningerhof in St. Leonhard und der Inner-Tschagenhof in →St.Martin im Meraner Land. Sie bestellt die Fläche mit 500 alpinen, tropischen und seltenen Kräutern. Im Laufe des Gartenjahres werden daraus Heilmittel, Tees und schmackhafte Gerichte nach überlieferten Familienrezepten hergestellt. Die ausgebildete Floristin und Kräuterpädagogin hat das gesammelte Familienwissen ausgebaut und hinterfragt. Im Laufe der Zeit, ist sie so zu einer Wildkräuter-Expertin geworden.

Rezept für Rosenlimonade
Rezept für Rosenlimonade

„Kirner Agnes“ und „Kirner Jörgl“ – Kräuter der Großmutter

Der Antrieb ihrer Leidenschaft für Kräuter, ist in der engen Bindung zu den Großeltern „Kirner Agnes“ und „Kirner Jörgl“ zu finden. Noch heute beschreibt sie den Kräuterraum der Großmutter als prägend und erinnert sich mit blumigen Worten an den Dachboden der Familie. Ein „schwerer, intensiver Honig- und Kräuterduft“ sei ihr stets entgegen geflogen. Besonders dann, wenn sie die Stufen zum Dachboden hochstieg und die Luke zum Dachboden sich öffnete.

Das Buch steigt nach Einleitung und Vorwort in eine Beschreibung der Alpen und ihrer Bewohner ein. Es erläutert Bräuche und Rituale und gibt Einblick in die Vielfalt der Pflanzen dieses Lebensraums. Besonders interessant ist eine gründliche Auflistung der wichtigsten Inhaltsstoffe alpiner Kräuter. Während sich die meisten Veröffentlichungen auf ein Erwähnen ätherischer Öle, Bitter- und Gerbstoffe beschränken, erläutert Mangger Walder umfangreich weniger bekannte Bestandteile. Unter anderem Saponine (seifenähnliche Substanzen), Alkaloide (spezifische Abbauprodukte einer Pflanze) oder Glykoside (Gruppe von hochwirksamen Stoffen, denen bestimmte Zuckerverbindungen gemeinsam sind).

Liste der Inhaltsstoffe: Bitterstoffe, Gerbstoffe, ätherische Öle, Flavonoide, Senfölglykoside, Cumarine, Schleimstoffe, Saponine, Chlorophyll, Kieselsäure, Alkaloide, Solanine

Die Wirkung zählt

„Das Gute liegt im Einfachen und es braucht wenig, um gesund zu sein.“

Auch wenn die Autorin zu bedenken gibt, dass einige Empfehlungen kurios erscheinen und nicht wissenschaftlich belegt sind, glaubt sie dennoch an die Wirkung von Kräutern und Wildpflanzen.

Bevor die zum Teil wörtlich übernommenen Rezepte der Großmutter folgen, werden dem Leser wichtige Voraussetzungen zum Sammeln von Kräutern vermittelt. Neben den Fachtermini zu den zu sammelnden Pflanzenbestandteilen, erhält der Leser einen umfangreichen Überblick über „vollkommen“ und „teilgeschützte“ Pflanzen in den Bergen Südtirols. – Dieser Teil des Buches ist ausgesprochen wichtig. Durch die Teils schonungslose Übernutzung in der Zeit um den ersten und zweiten Weltkrieg, sind einige, damals weit verbreitete Pflanzenarten, heute vom Aussterben bedroht. Beispiel dafür sind einige Wacholderarten, Enzianwurzeln  und Pilze, die nur noch in limitierter Menge gesammelt werden dürfen (Quelle: Das kulinarische Erbe der Alpen).

Die korrekte Zubereitung eines Heiltees und die damit eng verwandte Herstellung von Wickeln, Bädern und Umschlägen bildet die Überleitung zu einem umfangreichen Sammelkalender für Kräuter, Wurzeln und Beeren.

Während die Ernährung unserer Vorfahren auf ein Repertoire aus bis zu 500 Pflanzenarten zugreift, nutzt der durchschnittliche Konsument heute nur noch etwa zwanzig davon. Ein guter Grund, vergessenes Wissen  zu erneuern und die neuzeitliche Ernährung wieder mit natürlichen Bitterstoffen, harzigen Aromen oder Natursüße zu ergänzen.

Sammelkalender, Grundrezepte, Tipps und Tricks

Auf den Sammelkalender folgen Grundrezepte für die Herstellung von Seifen und Salben. Auch dem Färben mit Naturfarben widmet Rosi Mangger Walder ein kurzes Kapitel.

Über 250 Rezepte – 62 Kräuter und Pflanzen –  3 Register – Sammelkalender und Grundrezepte für Salben, Seifen, Räucherungen und Kräutertees

Die Kräuter werden in einem Informationsteil mit Namen,  Aussehen und Standort vorgestellt. Teilweise erfolgt eine Einordnung in den Volksglauben und die Heilkunde bzw. Medizin. Immer ist ein Abschnitt zum Familienwissen und ein großformatiges Foto der Pflanze vorhanden. Die Rezepte sind vielseitig, reichen von der Gründonnerstagssuppe (auch Neunkräutersuppe) über Wildkräuter Kartoffelsalat und Brennnessel-Smoothie bis zu Schlehenoliven in Salzlake. Die Rezepte sind einfach. Viele Kräuter können (meist leider weniger aromatisch und inhaltsreich) auch im Flachland geerntet werden.

Als Anregung, um sich (vor allem im Frühjahr) Lust auf eine gesunde Ergänzung des Speiseplans zu machen, ist das Buch in jedem Fall eine Empfehlung.

Und für alle, die einen Rosengarten zuhause haben und den Duft des Sommers für den Winter konservieren wollen: Im verlinkten Artikel steht ein köstliches und einfaches Rezept für Rosenlimonade. Die Mühe des Sammelns und der Zubereitung lohnt in jedem Fall. Der gewonnenen Rosensirup lässt sich in Flaschen, gut gekühlt, über einen längeren Zeitraum aufbewahren.

Rezept für Rosenlimonade aus „Das Kräuterwissen meiner Großmutter“

Kräuterwissen meiner Großmutter

Autorin: Rosi Mangger Walder / → Froningerhof
Erschienen bei Edition Raetia
ISBN 978-88-7283-727-6
Preis: 25 € (01/2021)

Das Kräuterwissen meiner Großmutter – Buch von Edition Raetia
Das Kräuterwissen meiner Großmutter – Buch von Edition Raetia
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Charis
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  1. Vielen Dank für den wunderschönen Artikel über mein Buch. Ich habe mich sehr darüber gefreut. Es war mein Herzenswunsch dieses Wissen mit anderen Menschen zu teilen und hoffe es weckt in vielen die selbe Leidenschaft zur Natur, wie sie einst in mir geweckt wurde.
    Vergelts Gott und herzliche Grüße aus dem Passeiertal Rosi Mangger Walder

    • Liebe Rosi, wir haben zu danken, dass Sie das Wissen Ihrer Familie mit uns teilen. Vielleicht sehen wir uns mal in Südtirol. Ich würde mich freuen.
      Liebe Grüße,
      Charis

      • Rosi Mangger Walder

        Liebe Charis, wenn du mal im Passeiertal bist, herzlich gerne melden. Würde mich freuen.

      • Das mache ich auf jeden Fall Rosi. Freu mich darauf!

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